Stimmen aus dem Arkham Sanatorium – Ein Rückblick auf die anRUFung 2019

Donnerstag

Letztes Wochenende war es so weit: Nach Monaten des Vorfieberns fand zum vierten Mal die Haus-Con der Deutschen Lovecraft Gesellschaft, die anRUFung statt. Nach der themenlosen ersten Con 2015 und Innsmouth und Carcosa in den letzten beiden Jahren stand diese Con nun unter dem Motto „Arkham Sanatorium“. Mit vier zukünftigen Pfleglingen aus den Horror-Zentren München und Wiener Neustadt machten wir uns also auf in Richtung Burg Hessenstein, auf der auch dieses Jahr die Con statt fand. Dank des spacigen Mietwagens kam eher Shadowrunstimmung auf, die vielen Staus und insgesamt nervige Verkehrslage führte dann aber zumindest zu einem soliden Stabilitätsverlust – wir waren bereit.

Ich hatte aus den letzten Jahren gelernt und der Donnerstag Abend war deswegen bei mir ohne Spielrunde. Nach ein bisschen losem Plaudern traf ich zwei Vertreter*innen eines geheimen Kultes, der sich anscheinend gerade im Sanatorium formierte, allerdings war ich für sie wohl noch zu stabil und so blieb es bei einem angenehmen Plausch.

Gegen 21 Uhr schlug der wunderbare Carsten Pohl mit seinem Requisitenkoffer, den er nur von Newt Scarmander geklaut haben kann (zumindest bin ich überzeugt davon, dass sich mindestens 2 Räume in ihm befinden müssen) auf und entführte insgesamt 4 Pfleglinge in seinen Klassiker „Ultima Ratio“. Ich bedanke mich bei Spielleitung mit Mitspielern dafür, dass ich diese Bildungslücke endlich schließen konnte – schee war‘s. Danach war ich dann aber auch reif für das Bett und Freitag-Morgen-Antonia war Donnerstag-Abend-Antonia ausgesprochen dankbar für diese Entscheidung.

 

Freitag

Nach dem Frühstück gab es für mich dann die zweite spontane Runde, nämliche „Same Procedure“ bei Karsten/ColorOutOfCraze. Auch bei diesem Abenteuer handelt es sich um ein eher kurzes, aber intensives Kammerspiel. Ich habe mich selten mit einem Charakter so wohl gefühlt, nicht zuletzt wegen des Mannes an meiner Seite, der Silvester für mich vermutlich nachhaltig verändert hat. Unser Ende war letztendlich dann doch tragisch-melancholisch, aber zumindest für mich sehr passend. Danke an die Spielleitung natürlich, aber auch an meine Mitspieler*innen, die die Gefangenheit zwischen meinen Emotionen sehr leicht gemacht haben. Ihr wart toll 🙂

Danach dann schnell Kreuz und Bibel geschnappt und als Bruder Samuel in „Im Namen des Herren“ ein Kloster neu aufgebaut. Oder es zumindest versucht. Und nach diesem Kontakt mit dem Mythos hatte Ober-Kultist Julian dann auch endlich die Möglichkeit, mich in die Reihe der Auserwählten zu holen… IÄ IÄ!

Für Freitag Abend stand dann das Abenteuer an, auf das ich mich im Vorfeld am meisten gefreut hatte: „Histoire sans nom“ bei Nadia/Nyre. Hierbei handelt es sich um ein Abenteuer, das nahe Verdun während des 1. Weltkriegs spielt. Zusammen mit meinen beiden Schwester (verkörpert von Eszter und Julia) machten wir uns auf und erlebten die Grauen des Krieges, wie nur jemand wie Nadia, mit ihrer tiefen Hingabe an das Setting, die „echten“ historischen Geschichten und ihre Spieler*innen, sie vermitteln kann. Es war aufwühlend und großartig, danke. Nächstes Jahr gibt es dann voraussichtlich den zweiten Teil für uns. Ich freue mich sehr und trage bis dahin diese intensive Erfahrung im Herzen.

Die für den Nachtslot vorgesehene Cthuloide Kurzfilmnacht fiel wegen fehlenden Besucher*innen aus. Interesse wäre wohl da gewesen, aber für die meisten Besucher*innen hat es wohl einfach nicht rein gepasst. Für nächstes Jahr werkeln wir schon an einem neuen Konzept, mit dem wir euch dann hoffentlich flexibler die zauberhafte Welt des lovecraftschen Films näher bringen können.

Meine Trauer hatte aber nicht zu viel Zeit, sich zu manifestieren, denn ich wurde noch für den Escape Room von Lexx/Norman rekrutiert. Ich habe recht viele Escape Rooms mitgemacht und finde die meisten inzwischen eher mittelmäßig, aber Norman hat die hoch-gehängte Latte locker übersprungen. Die Rätsel waren spannend und lösbar, der Raum hatte keine nervigen Längen und war mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestattet. Auch der Encounter am Ende war wunderbar stimmig und atmosphärisch. Danke noch mal an dieser Stelle – das muss eine wahnsinnige Arbeit gewesen sein! Danach dann ins Bett…

 

Samstag

Nach einem kurzen Morgenschock (fingen die Runden immer schon um 10 Uhr an??) stolperte ich in „Poetry Night – extended cut“ bei Ben/Cinemancer. In der Rolle einer wunderbar abgedrehten Tattoo-Künstlerin machte ich mich mit meinem losen Künstlerfreundeskreis auf ins Lakeside Coffee House, einem Café, das von einem Künstlerkollektiv betrieben wird und in dem einmal im Monat eine Poetry Night statt findet. Eigentlich wollten wir ein bisschen netzwerken und Inspirationen sammeln. Nun ja, inspiriert wurden wir auf jeden Fall, auch wenn nur einer von uns davon in Zukunft wird profitieren können. Aber der Weg in den Untergang war gepflastert von abseitigem Humor, kreativen Ausrastern und dem nötigen Funken Ernsthaftigkeit, um trotz allem den blanken Horror zu erleben.

Samstag Nachmittag war dann mein erster tatsächlich freier Slot. Es gab es viele wundervolle Gespräche (wenn auch wie jedes Jahr nicht genug), die Kultistenschar beschwor einen Shoggothen, der sich ächzend und stöhnend durch die Burg walzte und ich kam auch dazu beim „Komitee Kranker Kurgäste“ von Marc/Roland Weslau und Dominik/grannus mitzumachen. Dabei handelt es sich um die dritte Auflage eines Freeform-Partyspiel-Improtheater-wasauchimmer und auch dieses Mal beamte es uns wie versprochen innerhalb von 5 Minuten in den Wahnsinn. (Ich vermisse dich jetzt schon, Dr. Teddy, ich hoffe, Tina passt gut auf dich auf)

Mein letztes Abenteuer war „Call of Casablanca“ bei Moritz. Auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Mitspielers hatte er seinen Oldie wieder heraus gekramt und entführte uns als Gruppe deutscher Exilanten nach Casablanca, das während des 2. Weltkriegs ein Sprungbrett nach Lissabon und damit in das verheißungsvolle Amerika gewesen ist. Nach einem ausgesprochen unterhaltsamen Auftakt in „Rick‘s Café“ ging es zur Sache. Das Abenteuer war kurz, aber unglaublich intensiv (gefühlt mindestens 4 Stunden Spielzeit) und es tat sich der eine oder andere Abgrund auf. Für uns endete der Abend in Rick‘s Café fast tarantino-esk und ließ nicht nur mich völlig geflasht zurück.

Nach einer kurzen Verschnaufpause, Nachbesprechung und einem weiteren Bourbon schnell noch in das Krankenschwesterkostüm aus L‘histoire geschlüpft und dann begann auch schon die Party. Levin sorgte noch dafür, dass wir mit einer Abschlusstherapie nur guten Gewissens wieder in die Freiheit entlassen würden und es gab reichlich Alkoholisches (Shoutout an Simone für ihren Schwarztee-Gin-Cocktail) und Gespräche.

 

Sonntag

Am nächsten Morgen blieb dann nur noch die Verabschiedung (wieder mit einer ganzen Menge Loot für die fleißigen Spielleitungen, Orgas, …), Kater und Wehmut abzuschütteln und sich dann auf den Weg nach Hause zu machen. Es war wie jedes Jahr viel zu kurz und ich habe mit viel zu wenigen Menschen zu kurz oder gar nicht geredet (Hilke, Marcus, Ines, Olaf, Simone, Karsten, Tina, …. und sicher noch ein Dutzend andere) – hoffentlich spätestens nächstes Jahr dann.

Um ein abschließendes Fazit zu ziehen: Es war eine Con mit genau der richtigen Mischung aus kuscheligem Familien-Feeling, einem Abend unter guten alten Freunden, Abtauchen in tiefe Emotionen, dem Spiel mit den eignen Grenzen und dem allgegenwärtigen Wahnsinn.

Ich hatte es der Orga schon gesagt, aber ich sage es auch gerne noch mal in größerem Rahmen: Die anRUFung hat grandios gestartet und wird einfach jedes Jahr noch ein kleines bisschen besser.

Danke an alle, Orgas, Helfer*innen, die Verantwortlichen des Rahmenprogramms, die unermüdliche Dauerziege, meine Mitspieler*innen, die gefühlt 100 verschiedenen Kostüme und Rollen, die auf den Gängen an mir vorbei huschten (und die Menschen in diesen Kostümen natürlich auch) und einfach all diese wundervollen Menschen, die hier jedes Jahr zusammen kommen für ein paar Tage allerfeinsten Eskapismus. Danke euch und bis nächstes Jahr!

 

PS: Der Termin für nächstes Jahr ist übrigens schon bekannt, ebenso wurde eine neue Location gefunden – die auf den ersten Blick richtig gut aussieht. Es wird genug Platz, Einzelzimmer und Rückzugsmöglichkeiten geben, vielleicht traut sich dann ja die*der Eine oder Andere ja doch noch in die Hallen des lovecraftschen Wahnsinns 🙂

(Eine Seite habe ich noch nicht gefunden, aber die anRUFung 2020 wird vom 13.-16.8.2020 im Europadorf Duderstadt statt finden, das Thema ist Miskatonic Universität)

2 Gedanken zu “Stimmen aus dem Arkham Sanatorium – Ein Rückblick auf die anRUFung 2019

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