[Gelesen] Rogues of Merth von Robert Zoltan

You can find the English version here.

Als ich über „Rogues of Merth“ gestolpert bin, hat das gemischte Gefühle in mir ausgelöst. Meine Erwartungen an Sword and Sorcery sind hoch oder vielleicht auch speziell oder nicht zeitgemäß, denn vor allem neue Bücher, die sich diesen Stempel aufgedrückt haben, lassen mich oft unzufrieden zurück. Ich erwarte von solchen Büchern vor allem eines: Dass sie Sword and Sorcery enthalten. Nicht irgendwelche Geschichten, in denen eben auch Schwerter und Magie eine gewisse Rolle spielen. Sondern aktiongeladene, temporeiche, exotische, düstere Geschichten, die von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Protagonisten am Rande der Heldenskala und der Gesellschaft, die ihre eigenen oft fragwürdigen moralischen Maßstäbe ansetzen. Fiese Magier, absurde Monster, erotisch exotische Frauen und wilde Kämpfe können in einem solchen Mix natürlich nie schaden. Kurz gesagt wünsche ich mir etwas, das sich für mich wie Sword and Sorcery anfühlt. Und wenn ich das bekomme, dann bin ich schon zu 80 Prozent zufrieden.

Das Genre ist in Magazinen entstanden und in solchen gepflegt worden. Kurzgeschichten sind die klassischste Form und die Autoren waren darauf angewiesen das Interesse des Lesers von Beginn an zu wecken, ihn mit auf einen schnellen wilden Ritt zu nehmen, bei dem er gar nicht auf die Idee kommt das Heft aus der Hand zu legen, und ihm dann noch ein Ende zu liefern, das ihn dazu veranlasst das nächste Magazin, auf dem er den Namen des Autoren sieht, wieder zu kaufen. Aus diesen Anforderungen entstanden aufregende Geschichten, auf Papier gebannter Spaß. Das gilt selbst für die weniger originellen Vertreter der Gattung, die man verschlingen kann wie Fastfood, ohne darauf zu achten ob mal ein Krümel, ein Wort oder ein Satz daneben fällt. Bücher von denen man auf einer langen Zugfahrt schon mal zweieinhalb am Stück konsumieren kann.

Doch was ich eigentlich suche, sind natürlich Juwelen, wie ich sie aus vergangenen Jahrzehnten kenne. Jetzt erinnerte mich „Rogues of Merth“, vom ersten Moment an, an mein Lieblingsjuwel. Das Schurkenduo aus dem kleinen schwertkämpfenden Poeten Dareon Vin mit seinem Rapier und seinem großen barbarischen Freund Blue erinnerte mich an Fafhrd und den grauen Mausling. Die kurze Beschreibung der Stadt Merth erinnerte mich an Lankhmar. Das Setting der Geschichte „The Blue Lamp“ erinnerte mich an den „Basar des Bizarren“. Jetzt kann es natürlich eine gute Sache sein, wenn man so an seine Lieblingsgeschichten erinnert wird. Aber hohe Erwartungen können auch die Vorstufe zu großer Enttäuschung sein.

Es half alles nichts, da musste ich jetzt durch. Also habe ich „The Blue Lamp” gelesen. Eine solch umfangreiche Leseprobe im Netzt zu finden ist schließlich ein Glückfall, den man nutzen sollte. Es ist eine gute Geschichte und keine Nacherzählung der genannten Geschichte von Fritz Leiber. Der Anfang erinnerte mich daran. Das Ende dann eher an Erzählungen von Clark Ashton Smith, C.L. Moore oder Henry Kuttner. Ja, es finden sich Motive, die man aus der Sword and Sorcery Literatur kennt. Das ist bei einer Sword and Sorcery Geschichte nicht anders zu erwarten. Es mag Anlehnungen an einige der besten Geschichten des Genres geben, aber es ist keinesfalls eine Kopie. Es ist jeder wie jemandem zu begegnen, der einen flüchtig an einen guten alten Freund erinnert.

Aber das war erst eine Kurzgeschichte von zehn. Das reichte mir nicht, um mir ein abschließendes Bild zu machen. Es half nichts, ich musste – und wollte – mir dieses Buch kaufen. „One Night in Merth“ erzählt von der Begegnung zweier Helden, die dazu bestimmt zu sein scheinen von nun an gemeinsam in Abenteuer zu stolpern. Aber es ist keine Nacherzählung von „Ill Met in Lankhmar“ oder einer anderen mir bekannten Geschichte. Und mit jeder weiteren Erzählung wuchs meine Überzeugung, dass ich neue, gute und eigenständige Geschichten des Genres vor mir hatte. Und ich musste diese Meinung zu keinem Zeitpunkt in Frage stellen.

Allein dadurch, dass er mit durch wenige Sätze lose verknüpften Kurzgeschichten arbeitet, trägt der Autor schon stark dazu bei die für Sword and Sorcery wichtige Stimmung aufzubauen und zu halten. Es braucht keinen langen und übertrieben komplizierten Plot und es reicht in den wirklich großen, aufregenden oder absurden Momenten bei den Helden zu sein. Kein Mensch interessiert sich dafür, in welcher Bäckerei sie morgens ihr Brot kaufen oder ob sie nun sieben oder acht Tage durch den Wald reiten. Selbst eine Begegnung mit einer Gruppe von Räubern am Wegesrand trägt nicht zwangsläufig zur Geschichte bei.

Robert Zoltan entführt mit schönen und wohlplatzierten Worten in eine spannende und exotische Welt. Mal energiegeladen, mal traumgleich, mal wundersam. Oft fällt ein Schatten des Makabren oder des Unheils darüber und an den richtigen Stellen finden sich nachdenkliche Töne und eine gute Prise Humor. Von all dem findet der Leser zwischen diesen Seiten nicht zu wenig und, was mindestens ebenso wichtig ist, nicht zu viel. Alles ist da, wo es hingehört ohne künstlich, erzwungen oder deplatziert zu wirken.

Blue der Barbar ist klug, weise und leise, während der poetische Schwertmann Dareon Vin wortgewandt und scharfzüngig ist. Ohne, dass sie Kopien von Fafhrd und dem Mausling sind, fühle ich mich daran erinnert, dass diese beiden Helden laut Leiber vage spürten, dass sie die beiden lange verschollenen, passenden Bruchstücke eines großen Helden waren und jeder einen Kameraden gefunden hatte, mit dem er tausend Fahrten unternehmen und ein Leben – oder hundert Leben – der Abenteuer verbringen konnte. Und ich frage mich, ob sich zu einer anderen Zeit in einer anderen Welt die zwei diesmal an einer anderen Stelle gebrochenen Stücke des gleichen Helden fanden, die wir nun als Dareon Vin und Blue kennen…

Besonders freut mich, dass auf dem Buchcover „The Adventueres of Dareon and Blue 1“ zu lesen ist. Wir dürfen uns wohl auf mehr Geschichten über diese beiden liebenswerten Schurken freuen. Für Teil eins gibt es von mir, um es in Zahlen auszudrücken, 5 von 5, 10 von 10 oder 97 von 100 Punkten. Ich habe gehört kein Mensch sei perfekt und die verbleibenden drei Prozent spornen den Autor vielleicht dazu an auch weiterhin so viel Liebe zum Detail walten zu lassen.

 

English Review: Rogues of Merth by Robert Zoltan

When I stumbled upon „Rogues of Merth“ I had mixed feelings. I expect a lot from Sword and Sorcery or my expectations are special or not up to date. Because especially newer books self-branded as Sword and Sorcery leave me often unsatisfied. In such books I want to read primarily one thing: Sword and Sorcery. Not some stories containing some swords and magic, but action loaded, fast paced, exotic, grim tales, engrossing from the first to the last page; Protagonists from the edge of the scale of heroes and society, living by their own an often dubious codex. Also evil sorcerers, absurd monsters, erotic exotic women and wild fights can never ham in the mix. In short I want something that feels like Sword and Sorcery for me. If I get this, I am 80 percent satisfied.

The genre was developed and groomed in magazines. Short stories are the most classic form and the writers had to spark the interest of the reader in the very beginning, take you on a fast and wild ride with no time left to even put the issue down and to serve an ending that lingers until you see the name of the writer on some magazine again. From this requirements exiting stories equal to fun banished on paper were developed. This holds true even for the less inventive stories, which are like fast food and can be gulped down without caring for each crumb, word or sentence. Books which you can consume two and a half at a stretch during a long train ride.

Of course I search in fact for the jewels as the ones I know from past centuries. “Rogues of Merth” reminded me right from the beginning of my favourite jewel. The roguish duo consisting of the small poet swordman Dareon Vin with his rapier and his big barbaric friend Blue reminded me of Fafhrd and the Grey Mouser. The short introduction of the city of Merth reminded me of Lankhmar. The setting of the tale “The Blue Lamp” reminded me of the “Bazaar of the Bizarre”. It can be a great thing to be reminded of ones favourite stories. But high expectations can also be the first step to great disappointment.

There was only one way to be sure. So I read “The Blue Lamp”. Such an extensive reading sample online is an opportunity you are supposed to seize. It is a good story and not a retold version of the Leiber tale mentioned above. At first it reminds me of the bazar, later it’s more like a tale from Clark Ashton Smith, C.L. Moore or Henry Kuttner. Yes, there are motives known from Sword and Sorcery. That has to be expected of a Sword and Sorcery story. There might be analogies to some of the best tales the genre can offer, but it is in no way a replica. It is like an encounter with someone, who reminds you of a vaguely good old friend.

But this was only one short story out of ten. It was not enough to see the full picture. I had to – and wanted to – buy the book. “One Night in Merth” tells the tale of the encounter of two heroes, who seem to be fated to live through bloodcurdling adventures together. Yet it is not a second version of “Ill Met in Lankhmar” or any other story I know. With every further tale I was assured that I had found new, great and original stories of the genre. I never had to question this opinion.

The form of short stories loosely connected by interludes is a great fit for Sword and Sorcery. It helps a lot to create and hold the atmosphere. A long and overly complicated plot is unnecessary and all I want is to be at the really great, exiting or absurd moments with the heroes. Nobody wants to know where they buy their bread in the morning or if they rode seven or eight days through the woods. Even an encounter with some robbers along the way might not be a part of the story.

Robert Zoltan takes us with beautiful and well placed words in an exiting and exotic world. At times full of energy, at times dreamlike and wondrous. Often a shadow of the macabre or of doom is casted over it and on the right places you find thoughtful notes and some humour. From all this you can find not too little, and at least as important, not too much between the pages. Everything is where it is supposed to be not looking artificial, forced or misplaced.

Blue the barbarian is sage, wise and quiet while der poet swordman Dareon Vin is eloquent and has a sharp tongue. Without being copies of Fafhrd and the Mouser I am reminded of Leibers saying. His two heroes were dimly aware that they were two long-sundered, matching fragments of a greater hero and that each had found a comrade who would outlast a thousand quests and a lifetime—or a hundred lifetimes—of adventuring. And I have a feeling, that at another time in another world the two fragments of the hero, now broken at a different line, could be known as Dareon Vin and Blue…

I am especially happy to read the subtitle „The Adventueres of Dareon and Blue 1”. Seemingly we can look forward to more stories about the likable rogues. To put it in numbers part one gets 5 out of 5, 10 out of 10 or 97 out of 100 points. I heard that no man is perfect and the remaining three percent might be rather motivation than criticism. I hope for more works like this!

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