[Gelesen] Longmire: Bittere Wahrheiten von Craig Johnson

So, liebe Leser, ich habe euch mal wieder lange warten lassen… Vor einiger Zeit gab es auf der Facebook-Seite des Festa-Verlags eine Blogger-Aktion für die neue (Neo-)Westernreihe Longmire. Und ich Glückskeks bekam ein Rezensionsexemplar nebst Festa-Carepaket geschickt 🙂 Danke dafür!

Ich hatte also recht bald die unter dem Namen “Bittere Wahrheiten” vom Festa-Verlag veröffentlichte deutsche Übersetzung des 2004 erschienenen ersten Teils der Longmire-Serie, “Cold Dish” von Craig Johnson in der Hand. Bei Longmire handelt es sich um eine Neowestern/Krimi-Serie (ignoriert die Wikipedia-Klassifikation als “mystery novel”, keine Ahnung, was für ein Buch die gelesen haben ;)) angesiedelt im Hinterland von Wyoming der Jetztzeit.

Und worum geht es in dem Buch?

Cody Pitchard, einer von vier jungen Männern, die an einer Vergewaltigung eines Native American Mädchens beteiligt waren, wird tot aufgefunden. Was das County (quasi das amerikanische Äquivalent von Landkreis) ziemlich durcheinander bringt, denn sowas gab’s noch nie. Und an der Backe hat es nun Walt Longmire, ein etwas ins Alter gekommener, uramerikanischer Cop mit Native American bestem Freund, extrem erfolreicher Tochter, ausgewachsenen Depressionen und frisch aufflammender alter Liebe in Gestalt einer Großgrundbesitzerin. Der damals in die Strafverfolgung involviert war und sich immer noch Vorwürfe macht, weil die Täter so glimpflich davon kamen. Als dann auch noch Native American Symbolik ins Spiel kommt wird die Sache ziemlich ungemütlich.

Gelesen

Wer mich kennt, weiß, dass ich total auf Western stehe, insbesondere das, was ich als „Realwestern“ bezeichne, also das sich näher an der Historie bewegende Setting. Womit ich eher weniger anfangen kann, ist Amerikanistik und ein romantisierter Blick auf den amerikanischen Hinterlandalltag. Und da hat mich Longmire erstmal total auf dem falschen Fuß erwischt…. ich erwartete einen Western und bekam einen Neowestern, in dem schon nach den ersten Seiten klar wird, dass der Autor seinen Heimatstaat Wyoming schon ziemlich geil findet. Also einmal tief geseufzt und weiter gelesen. Und was soll ich sagen – ich habe Johnson mit meinen Vorurteilen echt Unrecht getan. Ja, Johnson liebt Wyoming. Aber er zeichnet ein Wyoming das neben all der Lokalromantik auch eine Menge Schmutz zu bieten hat. Er liebt nicht nur die Landschaft und die rauen, eigenbrötlerischen Leute, sondern auch die Probleme der Region.

Erwartet keine übermäßig komplizierten Geschichten, keine kriminalistischen Bravourstücke oder magenverdrehende Auslotungen menschlicher Abgründe. Erwartet eine liebevolle, sorgfältig erzählte, interessante und doch seltsam packende Geschichte von einem alternden Sheriff, der trotz allem versucht, ehrlich und aufrichtig in seinem abgefuckten County für Gerechtigkeit zu Sorgen.

Was bleibt ist ein etwas fahler Beigeschmack. Wieder einer dieser Krimis bei dem man am Ende nur resigniert seufzen kann. Gefallen hat er mir trotzdem ziemlich gut.

Ein bisschen Off-Topic: Longmire, die Serie

Longmire gibt es seit 2012 auch als Serie, ich habe mir zum Vergleich mal die erste Folge angeschaut. Klar, so eine Serie ist leichter zu verdauen und schnell geschaut und die Landschaftsaufnahmen des US-amerikanischen Südens machen schon auch echt was her, aber die subtile Tiefe, die das Buch doch an vielen Stellen hat, geht verloren. Wer also die Serie mochte, aber gerne noch ein bisschen mehr in die Charaktere und die Zusammenhänge der Region schauen möchte, der ist bei der Buchserie genau richtig.

Zur Aufmachung

Der Festa-Verlag hat Longmire als Taschenbuch heraus gegeben, allerdings mit stabilem, geprägtem Cover und angenehmem, wertigen Papier. Ich war mal etwas grober zu dem Buch, und sie da, auch Knicke und Eselohren verträgt es recht gut. Von mir aus könnten gerne mehr Taschenbücher auf diese Art hergestellt werden 🙂

Fazit

Nach ersten Startschwierigkeiten hat mich “Bittere Wahrheiten” schon ziemlich gepackt. Es war auf jeden Fall ein unterhaltsamer und überraschend tiefer Ausflug in das Leben im Hinterland Wyomings, über Native Americans, Freundschaft und den Umgang mit sexuellem Missbrauch.
Für alle, die gerne (Neo-)Western lesen, Krimis verschlingen oder mal ein paar Nachmittage in ein fremdes Leben zu schauen, eine klare Leseempfehlung!

 

Im März kommt übrigens der zweite Teil raus, Infos des Verlags zur Serie findet ihr hier.

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