BYOA: Bergungskreuzer Möwe – „Dänen lügen nicht“

Der Abend ist schon ein bisschen her, aber endlich komme ich dazu, ein paar Worte zu einem weiteren FATE-basierten Experiment zu verlieren: Bergungskreuzer Möwe.

Das Setting wurde vom Uhrwerkverlag heraus gegeben und war wohl Sieger eines Setting-Wettbewerbs. Wenn ich es richtig sehe, handelt es sich damit um die erste „World of Adventure“ für FATE im deutschen Original. Auf 77 3-farbigen Seiten (schwarz, weiß, grün) wird dem Leser Welt und Setting vorgestellt, sowie verwendete Sonderregeln erklärt, außerdem gibt es noch ein Ausrüstungskapitel, NSC und Monster, Abenteuervorschläge und vorgefertigte Charaktere.

Und worum geht es? – Das Jahr 1909 war ein dunkles für die Welt, denn wir wurden von außerirdischen Flugscheiben angegriffen. Was sie wollten wurde nicht ganz klar, denn ohne Verhandlungen wurde mit Terraforming begonnen, große Teile Mitteleuropas versanken im Meer. Das Ganze hätte viel schlimmer ausgehen können, hätte die Deutsche Marine unter dem Befehl von Kaiser Wilhelm II. zurück geschlagen und die außerirdischen Eindringlinge zurück geschlagen.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 1982. Die Welt hat sich wieder halbwegs beruhigt, man hat sich mit der neuen Situation abgefunden und arrangiert. Das Deutsche Kaiserreich regiert die ebenso starke, wie progressive Kaiserin Mechthilde und im Allgemeinen geht’s uns eigentlich ganz gut. Die Spielercharaktere sind die Besatzung des Bergungskreuzers „Möwe“, einem Schiff, dass darauf spezialisiert ist, Dinge vom vor wenigen Jahrzehnten bewohnten Grund des Meeres zu bergen. Unter der Flagge ihrer kaiserlichen Hoheit und im Dienste des Kaiserreichs.

Reichskitsch?? – Ach, ich weiß auch nicht. Ich mag’s, wenn die Deutschen mal „die Guten“ sein dürfen. In dieser alternativen Realität haben wir die Welt gerettet, und nehmen einen wichtigen und positiv besetzen Platz im Weltgeschehen ein. Ist natürlich Eskapismus, aber ich glaube, das ist genau das Bedürfnis auf das auch Steampunk abzielt, ich für meinen Teil hatte unangemessen viel Spaß dran.

80ies als historisches Setting? – Bergungskreuzer Möwe spielt ganz stark auf die 80er an, quasi Steampunk + 100 Jahre. Sowohl Mode als auch Musik (es gibt eine eigne Playlist) als auch Lifestyle werden aufgegriffen. Ich war in den 80ern noch nicht auf der Welt und auch der Rest meiner Gruppe hat diese Epoche bestenfalls als Krabbelkinder mitbekommen. Aber wir spielen ja auch antikes Rom und 1920er, also haben wir uns mal nicht berirren lassen. Filmisch, musikalisch und modisch eingestimmt begaben wir uns auf die Möwe. Wir wissen nicht genau, wie historisch akkurat wir uns geschlagen haben. Aber wir haben uns Mühe gegeben und hatten Spaß dabei 😉

Die Charaktere – Ein Teil der gespielten Charaktere kam aus den vorgefertigten Charakteren im Bergungskreuzer Möwe Buch.

  • Marlene „Lilli“ Willers – Kapitän und Steuerfrau
  • Martin „Bumm Bumm“ Krause – Kanonier und Hitzkopf
  • Pjotr „Der Russe“ Stankowitz – Mechaniker

Verstärkt wurde diese illustre Runde durch zwei erstellte Charaktere:

  • Peter „Piet“ Petersen – Schiffskoch
  • Annegret Lund – Navigatorin vom untergegangenen Volk der Dänen

Das Abenteuer (spoilerfrei) – Es stand das Abenteuer „Dänen lügen nicht“ aus dem Bergungskreuzer Möwe-Heft. Das Abenteuer selbst ist nicht komplett ausgearbeitet. Ich weiß nicht, wie spielleiterfreundlich es ist, da müsste ich unseren Spielleiter fragen. Aber zumindest von Spielerseite aus war keine Spielleiterunsicherheit und Verzweiflung zu spüren. Das Abenteuer selbst ist recht linear, aber trotzdem interessant.

Und worum es geht? Die Besatzung der Bergungskreuzer Möwe trifft ein dänisches Wohnschiff und bekommt einen persönlichen Auftrag vom verzweifelten Kapitän…

Eine ausführlichere und damit natürlich nicht spoilerfreie Zusammenfassung findet sich weiter unten.

Das Abenteuer (Achtung, Spoiler!!) – Wir dümpelten also so mit der Bergungskreuzer „Möwe“ durch die erweiterte Nordsee und trafen ein dänisches Wohnschiff (Dänemark liegt seit der großen Schmelze vollkommen unter Wasser, genauso wie große Teile Deutschlands), sehr zur Begeisterung von Annegret, die Dänen sind ein vom Aussterben bedrohtes Volk und sie konnte sich nicht mehr an ihren letzten Kontakt mit einem Landsmann* erinnern.

Die Begeisterung währte leider nicht so lang, denn die Dänen hatte eine Tragödie ereilt: aus einer kollektiven Ohnmacht erwacht, stellte man fest, dass einige der jungen Däninnen verschwunden waren, eingeschlossen der Kapitänstochter Astrid. Man feilschte kurz, doch recht schnell hatte sich die Besatzung der „Möwe“ überzeugen lassen, nach den verschwundenen Mädchen zu suchen. Wir entschieden und für den Weg durch die Mitte und maskierten die „Möwe“ als dänisches Wohnschiff und steuerten in das Areal von dem wir glaubten, dass dort der Angriff statt gefunden haben musste. Anscheinend hatten wir ein unfassbar gutes Gefühl dafür, was den Dänen passiert war, denn wir lauerten bis an die Zähne bewaffnet und mit Gasmasken ausgerüstet auf potenzielle Angreifer. So hatte der Betäubungsgas-Angriff vermummter Gestalten keinen Effekt auf uns und wir konnten die Eindringlinge schnell überwältigen. Mit deren Taucheranzügen getarnt fanden wir ein lauerndes Unterseeboot und verschafften uns Zutritt. Der Kampf um die Kontrolle auf dem UBoot war kurz und heftig, aber anscheinend hatten wir die Überraschung auf unserer Seite und es ging für uns verstörend gut aus. So richtig Lust auf frühzeitiges Ableben hatte die Crew anscheinend auch nicht, und so hielt man es für die bessere Idee uns zur geheimen Unterwasserbasis ihres Auftraggebers zu begleiten, die sich auf dem Gebiet des untergegangenem Potsdams befand.

Und weil der frontale Ansatz schon das ganze Abenteuer über so gut funktioniert hatte, beschlossen wir, in die Basis einzubrechen (ähem) und dann den guten Herren einfach zu fragen, in welcher Welt das Verschleppen junger Frauen ein akzeptables Verhalten ist. Der dem klärenden Gespräch voraus gehende Kampf war deutlich brachialer und heftiger als der Kampf mit der UBoot-Besatzung und zwischendrin sah es nicht gut aus. Aber wir schafften es, bis zu dem ominösen Auftraggeber Baron Leopold von Wankelwitz vorzudringen und uns seinen Evil Super Villain-Monolog mit der Kapitänstochter in der Mangel anzuhören (Im Wesentlichen glich der gute die Abwesenheit von Lebensborn und anderen ethnischen Zuchtprogrammen in der Welt von Bergungskreuzer Möwe durch ein geheimes Untergrundprogramm zum Erhalt der dänischen „Rasse“ aus. Und weil kein Däne so toll ist wie ein Halbdäne mit wahnsinnigem preussischem Vater, hatte Wankelwitz vor, mit Kapitänstochter Astrid zusammen der Stammherr einer neuen, besseren Rasse von Dänen zu werden. Leider konnten wir ihn bei seinem Vorhaben nicht unterstützen und nutzen seine Ausführungen, um ihm Astrid abzujagen und aus dem geplanten Doppelselbstmord einen einsamen Freitod zu machen.

Die Unterwasserbasis überlebte unser Eindringen nicht und die Dänen müssen sich jetzt wieder selbst um ihre erfolgreiche Fortpflanzung kümmern, aber der Kapitän hatte seine Tochter wieder und auch die andere Däninnen freuten sich über ihre Befreiung. Wir erhielten unsere Bezahlung, leerten gemeinsam einen Dild Akvavit und fuhren stilecht dem Sonnenuntergang und neuen Abenteuern entgegen.

Das Spielerfazit – Wir hatten einen riesen Spaß. Es hat sicherlich geholfen, dass fast die geschlossene Eis&Dampf-Crew spielte und sich Bergungskreuzer Möwe überraschend stark nach „Eis&Dampf – aufgetaut“ anfühlte und sogar von unserem Master of FATE geleitet wurde. So oder so, es war super. Wir befinden uns noch in Verhandlungen über eine Fortsetzung und ihr lest dann hoffentlich in Zukunft mehr.

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