Spielbericht: Call of Cthulhu – Das Geisterhaus

Nachdem wir nun endlich dazu gekommen sind das Abenteuer „Das Geisterhaus“ fertig zu spielen, möchte ich die Gelegenheit nutzen meinen Spielbericht hier einzustellen. Teil I des besagten Berichts ist zwar schon etwas älter, aber es hat eine Weile gedauert, bis wir fertig spielen konnten. Auch weil ich einen Termin habe platzen lassen.

Da ich meinen Text mit dem Bericht unseres Spielleiters im Hinterkopf geschrieben habe, empfehle ich auch diesen vorweg zu lesen. Zu finden ist er hier. Teil II meines Berichtes habe ich als Art Tagebucheintrag aus Sicht meines Charakters verfasst (obwohl dieser wohl nicht regelmäßig Tagebuch schreibt) und werde ihn hier mit anfügen.

 

So, dann will ich auch mal ein paar Worte dazu verlieren, bevor ich zu viel vergessen habe. Wobei die Gefahr bei der tollen Gedächtnisstütze nicht so groß ist. Ich hatte die Freude mitspielen zu dürfen und verkörperte dabei Edwin Foster Spofford, who always „imagined himself a better artist than a jurist“. Für den Sohn aus sehr gutem Hause waren die 50$ Teilnahmegebühr nicht wirklich abschreckend. Zumal er sich Inspiration für seine Malerei erhoffte. Denn auch wenn er fast reflexartig beteuert, es wäre nur ein Hobby, sieht er in der Kunst seine eigentliche Berufung.

Bis auf Herbert Whitefield, den Manager des Mediums, kannte er keinen der Mitreisenden. Und auch dieser war ihm nur durch einen kurzen Briefwechsel bekannt. Daher lernte er die Leute – einschließlich der übrigen Spielercharaktere – während der Busfahrt kennen. Diese dauerte fast drei Stunden Spielzeit. Was interessant ist, weil wir uns erst am Vorabend darüber unterhalten hatten, wie sehr es nerven kann, wenn banale Dinge im Rollenspiel zu viel Raum einnehmen. Aber hier hat es gepasst. Mit manchen Spieler wird eben das Banale zum stimmungsvollen und stimmigen Genuss, während mit andern…

Das besondere Interesse des Jungspundes erregte natürlich die hübsche Cecilia Petersen. Er bot ihr sogleich an, ihre Koffer zu tragen. Doch noch ehe er ausgesprochen hatte, hatte das Bud der Busfahrer bereits erledigt. Das Fräulein schien ihm dennoch nicht abgeneigt zu sein und so half er ihr zumindest beim Einsteigen und setzte sich mit Freuden neben die Kettenraucherin. Ja, 1927 durfte in Bussen noch gequalmt werden.

Paul gesellte sich für ein Gespräch über Mütter zu ihnen und Edwin ließ durchblicken, dass seine eigene Mutter zu beschäftigt gewesen war, um ihm viel Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Dafür habe sie Kindermädchen gehabt. Die eigentliche Schuld schrieb er aber seinem Vater und dessen hohen Anforderungen zu. Danach kam auch Floyd hinzu und entlockte Cecilia mehr von ihrer rührseligen Geschichte, als der Student, der sich inzwischen selbst eine Zigarre angezündet hatte.

Als Waisenkind aus reichem Hause wisse sie nicht so recht, was sie mit ihrem Leben anfangen solle. Sie hoffe darauf, dass sie über Paul LeMond den Rat ihrer Eltern einholen könne. Edwin findet es eigentlich ziemlich beneidenswert keine Eltern zu haben, die einem vorschreiben, was man mit seinem Leben anfangen soll. Er ist aber feinfühlig genug zu schweigen.

Ein Aufenthalt, auf dem sie von Martha Brown gut versorgt werden, bietet Gelegenheit auch Edward kennenzulernen. Edwin, der in seiner Kunst ebenfalls das Morbide thematisiert, ist dem Autor recht zugetan und will bei Gelegenheit vielleicht auch ein paar von dessen Büchern erwerben, um sich dadurch inspirieren zu lassen. Solche Werke finden sich schließlich schwerlich in der Universitätsbibliothek.

Danach geht es weiter nach Corbis Woods zu dem Spukhaus. Kurz vor dem Ziel versperrt ein LKW mit Reifenpanne den Weg und während Edward und Floyd die letzten Meter zu Fuß gehen, nutzt der Maler die Pause, um seine Impressionen der schmalen Waldstraße und des alten Hauses auf dem Hügel in seinem Skizzenbuch festzuhalten. Seine dritte schnelle Zeichnung zeigt Cecilia und sie scheint sich darüber zu freuen, als er ihr die Skizze zeigt. An dieser Stelle musste ich schon ein wenig darüber schmunzeln, dass der Spieler unseres Bühnenmagiers nebenbei eine schnelle Skizze zu jeder erwähnten Person anfertigte, während ich selbst frei von jedem zeichnerischen Talent bin. Naja, zumindest der Charakter hat Malerei auf 70.

Im Haus, das die Familie des Auftragsgebers in dessen früher Kindheit verlassen hat, finden sich leider keine interessanten Bilder. Auf der Suche nach einem persönlichen Gegenstand der verstobenen Schwester, deren Geist gerufen werden soll, interessiert sich Edwin besonders für den Dachboden. Dort findet er hauptsächlich Papiere, die ihn nichts angehen und die er nicht weiter sichtet. Die Gelegenheit Cecilia mit dem Feldbett zu helfen, lässt er sich entgehen. Diese wird von Edward wahrgenommen.

Floyd war auf seiner Suche im ehemaligen Kinderzimmer erfolgreicher und so kann bald die erste Séance beginnen. Edwin und Edward postieren sich günstig neben Cailín und kommen so in den Genuss Händchen zu halten. Hier ist interessant, dass vor allem der Autor überzeugt ist bald einen Geist zu sehen. Der Jurist hält es zumindest für gut möglich und der Bühnenmagier für ausgeschlossen. Die Beschwörung könnte sich auch mit guter Schauspielerei und Bauchrednerkunst erklären lassen. Doch ausgerechnet Floyd bekommt nun einen Geist zu sehen. Den von Kathrine, die von Jennifer, der beschworenen Schwester, und ihrem mysteriösen Spielkammeraden gefürchtet wird. Und gerade, dass er nun an die Sache glaubt, führt dazu, dass die anderen plötzlich alles in Frage stellen. Für sie scheint nun klar, dass der Bühnenmagier von Anfang an Teil der Aufführung war. Aber sie geben zu, dass die Show 50$ wert ist.

Auch Kathrine wird beschworen und sie berichtet davon, dass sie das Böse zurückhält. Sie fordert die Geisterjäger auf ihr zu helfen. Da ihre Erscheinung mit extremer Kälte einherging, glauben Edward und Edwin, dass es irgendwo einen Eisvorrat geben muss. Sie untersuchen deshalb den Keller und wundern sich sehr darüber mit welchem Effekt es den Drahtziehern dieses Spuks gelingt sie mental davon abzuhalten die Tür einzuschlagen. Floyd, der eigentlich das Geheimnis der Eiskammer schützen müsste, gelingt es schließlich die Tür einzurennen.

Dort finden sie den blutigen und physikalisch unmöglich erklärbaren Nagel, der auch die Zweifler überzeugt. Denn die rote Flüssigkeit tropft vom Nagelkopf am oberen Ende. Doch sie wissen noch immer nicht, ob nun Kathrine zurecht vor dem Sohn des Teufels und mutmaßlichen Spielgefährten Jennifers warnt, oder ob nicht sie eine verlogene Hexe ist. Für diesen Tag sind sie aber zu müde, um der Lösung näher zu kommen, und gehen schlafen.

Das Weinen von Kindern weckt in der Nacht erst Edward und dann Floyd. Sie wecken auch Edwin und den Hausherren. Im Keller treffen sie auf die Haushälterin, die mit der Axt in der Hand schlafzuwandeln scheint. Oder ist sie besessen? In ihrer Anwesenheit kommt die Frau aber wieder zu sich und wirkt selbst überrascht. Man beschließt, dass Martha besser nicht mehr alleine und so nahe am Keller schlafen sollte, und quartiert sie bei Cecilia im ersten Stock ein. Außerdem will man am folgenden Tag mehr herausfinden. Edwin will sich die Briefe nun doch näher ansehen, während Edward und Cecilia im Ort den Reverend aufsuchen und ein eventuelles örtliches Archiv durchsuchen wollen. Der folgende Morgen musste aber auch auf einen weiteren Spieltag verlegt werden. Ich freue mich schon darauf.

 

Edwin Foster Spofford / Richmond, September 4, 1927

Gestern habe ich Edward und Floyd wieder gesehen und das möchte ich zum Anlass nehmen mit dem Kapitel „Tannerhill House“ abzuschließen. Warum ich das mache, indem ich meine Gedanken niederschreibe und nicht durch ein Gemälde? Keine Ahnung, Edward muss wohl schlechten Einfluss auf mich haben. Sein neuster Roman war echt fantastisch. Er hat die Stimmung im Spukhaus perfekt eingefangen ohne etwas von uns zu verraten (wofür ich echt dankbar bin). Der Vermerkt „Nach einer wahren Begebenheit“ ist von daher vielleicht nicht ganz korrekt, aber künstlerische Freiheit muss auch in solchen Fällen erlaubt sein. Dass er für diesen Bestseller tatsächlich mein Werk „Sohn des Teufels“ als Cover gewählt hat, freut mich besonders.

Vater war schon etwas irritiert, weil ich einen Künstler auf die (viel zu groß aufgezogene) Verlobungsfeier eingeladen hatte. Aber nachdem ein paar Boodle Boys den Roman ausdrücklich gelobt hatten, verschwand sein Ich-hoffe-Du-liest-keine-solchen-Bücher-Blick. Die Jungs sind ganz begeistert von der Geschichte, seit ich ihnen den Schädel des angeblichen Teufelsjungen mitgebracht habe. Er wird jetzt gemeinsam mit dem Original des Gemäldes „Sohn des Teufels“ in einem kleinen Schrein im Tomb aufbewahrt.

Anders als Edward, der derzeit zumindest sehr erfolgreich ist, was mich von Herzen freut, konnte ich Floyd natürlich nicht als (ehemaligen) Bühnenmagier vorstellen. Also habe ich ihn einen Ermittler genannt. Immerhin hat er inzwischen eine Art Geisterjägervereinigung mit Herrn Carrington (unseren Auftragsgeber von damals) und Referent Lois (den Priester des Ortes Corbis Woods) gegründet. Und da es für Anwälte nicht so ungewöhnlich ist mit Detektiven zusammenzuarbeiten, hatte Vater nichts gegen einen Ermittler in meinen Bekanntenkreis einzuwenden. Allerdings scheint er nicht zu verstehen, warum ich so jemanden bei einem solchen Fest dabeihaben will.

Floyd hat auch berichtet, dass die drei Geister im Tannerhill House inzwischen von Priestern ausgetrieben wurden. Ich finde das ist ein gutes Ende. Wir wissen zwar immer noch nicht, ob nun Kathrine oder die Kinder die Wahrheit gesprochen haben, aber eines haben alle Geister gemeinsam: Sie haben nichts mehr in der Welt der Lebenden verloren. Meiner Meinung nach klang Luther nicht wie der Sohn des Teufels, aber er hat uns einen harten Kampf geliefert. Floyd und ich sind sogar bewusstlos zusammengebrochen und hatten eine Woche lang Schmerzen. Bezwingen konnten wir ihn dennoch nicht. Dafür ist mein Interesse an Séancen jetzt ein für alle Mal erloschen.

Und der Teufel wäre wohl auch in der Lage die kleine Jenni zu täuschen und vor uns ein unschuldiges Kind zu spielen. Bei Kathrine bin ich mir allerdings sicher, dass sie in ihrem fanatischen Kampf gegen Satan inzwischen nicht mehr Rational handelt. Sie hat Besitz von unserer Haushälterin Martha ergriffen und meine Cecilia angefallen. Martha befindet sich wohl immer noch in einen Sanatorium und Cecilia wirkt bisweilen auch noch ganz mitgenommen. Ob nun der Fanatismus von Kathrine aus tiefen Glauben erwachsen ist, oder andere Wurzeln hat, vermag ich nicht zu beurteilen.

Was wir an der Verbindung von Kathrine, der verurteilten Hexe Marion Lee, ihres Sohnes Luther und Jenni überprüfen konnten, haben wir mit Hilfe des Kirchenbuches und der Unterlagen im Spukhaus überprüft. Die volle Wahrheit kennen allerdings nur Gott und die Toten. Und ihre Geister mögen nun in Frieden ruhen…

Das Gemälde „Durch den Geisterwald“ und einige ältere Werke, die meiner eigenen Phantasie entsprungen sind, habe ich über eine von Herrn Whitefield organisierte Galerie verkauft. Natürlich unter dem Pseudonym Foster E. Knight. Vater erfährt besser nichts von meinem ernsthaften Interesse an der Kunst. Das Werk „Das Spukhaus“ wird vielleicht das nächste Buch von Edward zieren und mit dem Portrait von Cecilia konnte ich endgültig ihr Herz erobern.

Ja, kommen wir nun endlich zu Cecilia. Wie gesagt: Gestern durften wir Verlobung feiern. Sie hat nach den Erfahrungen Abstand von der Idee genommen, Kontakt zu ihren verstorbenen Eltern aufzunehmen. Ich hoffe ihr stattdessen der Halt sein zu können, den sie benötigt. Und auch meine Eltern waren ganz bezaubert von ihr und behandeln sie wie eine Tochter, was mit ein wenig Sorgen bereitet. Ich hoffe sie lässt sich nicht zu sehr von meinem Vater beeinflussen und endet wie meine Mutter. Als eine Frau, die nur damit beschäftigt ist den Mann an ihrer Seite zu repräsentieren und der ihre eigenen Kinder (wenn es mal so weit ist) fremd werden. Sie muss auch lernen an sich selbst zu denken und ihre eigenen Leidenschaften auszuleben. So wie ich meine Malerei.

Zumindest über den Punkt, wie viel Tabakkonsum sich für ein Fräulein geziemt, wird sie sich mit Vater wohl nie einig werden. Egal wie sehr sie sich nach jemandem sehnt, der ihr ihre Eltern ersetzt. Das ist ein Anfang. Damit will ich dieses Kapitel schließen und eine neue Seite im Buch des Lebens aufschlagen…

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