Spielbericht: Malmsturm

Oder wie die Fünf Freunde Schiffsbruch erlitten:

Es ist jetzt auch schon wieder drei Wochen her, dass wir unsere letzte Barbarians of Lemuria Runde angesetzt hatten. Da aber unser Spielleiter aus privaten Gründen verhindert wurde, ist dankenswerter Weise eine Mitspielerin, die ihr als ACCXEV kennt, eingesprungen. Allerdings hat sie die Gelegenheit genutzt um Malmsturm auszuprobieren. Ein wenig Sword&Sorcery-erprobt waren wir inzwischen ja eh schon. Dank der Verstärkung, die sie uns gleich noch organisierte, waren wir auch wieder bei den gewohnten vier Spielern und mit der Tochter des Gastgebers, die diesmal mitspielte, sogar fünf.

Dann ging es daran die Charaktere zu erschaffen. Und da konzipierten wir sie gleicht von Anfang an als Gruppe, die sich schon eine Weile kannte. Doch welche Art von Gruppe? Die Diskussion verlief wohl etwas ruhiger, als unsere Spielleiterin erwartet hatte, während jeder in seinem Kopf Ideen aus- oder auch nur anbrütete. Doch was dann laut ausgesprochen wurde, war dann auch vielversprechend.

Die Idee mit dem Wanderzirkus konnte sich nicht durchsetzen, sondern wir nutzten die Gelegenheit mal wirklich Leute aus der gleichen Militäreinheit zu spielen. Da es ein sehr heißer Tag war, sollte das Abenteuer nahe am Meer stattfinden und so wurden wir zum Teil einer Schiffsbesatzung der Marine des Imperiums. Und um unsere Charaktere noch enger miteinander zu verknüpfen, bedienten wir das gleiche Geschütz. Um unseren bunten Haufen dort zu erklären, lässt sich vielleicht die Fremdenlegion als Vorbild heranziehen.

Wir hatten einen niederen Alchimisten, der für etwas mehr Feuerkraft sorgte, einen Handwerker dessen Talente in seinem Stamm von Elitekriegern nicht sonderlich geschätzt wurden, der die Balliste aber stets in ausgezeichnetem Zustand hielt, einen sehr kräftigen Burschen, der für das Ausrichten des Geschützes verantwortlich war, und seinen treuen sprechenden Hund – manche Dinge nehmen einen anderen Lauf, wenn man eine sehr junge Mitspielerin dabei hat, aber das war in diesem Fall überhaupt nichts schlechtes. Und in einer Welt, in der es menschliche Mutanten gibt, können wohl auch ausgewählte Tiere sprechen und belesener sein als der Rest der Truppe – zumal es sonst eine langweilige Rolle gewesen wäre. Außerdem war da noch mein eigener Charakter. Ein Riesenschlächter – unsere Spielleiterin machte mich auf den Abschnitt im Buch aufmerksam und er passte zu meiner Idee – und ehemaligen Wahlfänger aus dem hohen Norden. Jetzt verdingte er sich als Schütze der Balliste.

Nachdem wir die Werte verteilt und genug Aspekte ersonnen hatten, konnte es losgehen. Weil wir als Gruppendilemma Schiffsbruch gewählt hatten, fanden wir uns gemeinsam mit der übrigen Flotte zwischen gefährlichen Untiefen und einer riesigen Seeschlange wieder. Ein solches Biest und eine funktionstüchtige Balliste, welcher Riesenschlächter wäre einer solchen Einladung nicht gefolgt? Die Waffe wurde perfekt ausgerichtet, der Bolzen mit Sprengstoff gefüllt und mein Charakter musste nur noch den Hebel umlegen. Diese Art gemeinsam zu kämpfen, indem man Vorteile für andere generiert, fand ich äußerst interessant und hat gut zu unserer Truppe gepasst.

Schwer verletzt stürzte das Untier auf das Schiff und zerbrach es dabei zu Kleinholz. Für das Dilemma war also gesorgt. Doch das ganze nahm eine für die meisten etwas überraschende Wendung, als unser Bordhund die stark blutende Schlange überredete uns zur nächsten Insel zu schaffen und ihr dafür versprach, dass wir sie medizinisch versorgen würden. Hier sorgte der jugendliche Einfluss für frischen Wind, wo wir alten Haudegen wohl routinemäßig unseren Weg der Vernichtung abgespult hätten.

Der Riesenschlächter überlegte zwar, ob es eine Stelle gäbe, an der er das Untier sicher mit einem gezielten Schlag seiner überdimensionieren Axt töten könnte, ging das Risiko im Todeszucken der Schlange umzukommen aber nicht ein, und unser Handwerker legte wirklich alles in die Probe, um das Versprechen unseres Hundes einzuhalten. Letztendlich nahm er sogar arkanen Stress auf sich, der zum weltenverändernden und namensgebenden Malmsturm führen kann, wenn sich zu viel davon ansammelt.

Dann ging es daran die Insel zu erkunden. Der Riesenschlächter stellte sein mangelndes Talent im Speerfischen unter Beweis, während andere die Früchte des Waldes ernteten und unser Handwerker eine Wasserentsalzungsanlage bastelte. Und das obwohl ihm durch den Bolzen, den man der Riesenschlange entfernt hatte, ein gewohnt überdimensioniertes Werkzeug zur Verfügung stand.

Ein FATE-Punkt brachte uns, wenn schon kein Wasser, so zumindest das Fass Rum eines einstmals zum Sterben ausgesetzten Piraten ein und so konnte der erste Abend auf der Insel feuchtfröhlich ausklingen. Erst am Ende der Runde erfuhren wir, dass das Beben das den Schlaf der Gerechten gestört hatte, nicht etwa durch den benachbarten Vulkan sondern durch die Seeschlange, die sich zurück ins Meer geschleppt hatte, verursacht worden war.

Am Morgen danach stellte der Riesentöter fest, dass er nicht besser fischte als tags zuvor, die Entsalzungsanlage war durch einen guten Wurf überraschend schnell fertiggestellt und so konnte man sich gemeinsam daran machen den Vulkan zu erklimmen um einen besseren Überblick zu erhalten.

Den Weg durchs Unterholz bahnten wir uns, wie es sich gehört, mit roher Gewalt und nur eine betörend riechende Riesenblume – so empfanden es zumindest alle außer dem Hund – hätte uns vielleicht gefährlich werden können. Dennoch kämpften wir uns wacker zum Gipfel durch und entdeckten neben einer großen Höhle auf der einen Inselseite auch eine Ruine auf der anderen. Dort wollten wir nach brauchbaren Werkzeugen suchen.

Im zerfallenden Innenhof wurde dann die Riesenaxt als Buschmesser missbraucht – bei Gelegenheit braucht sie wohl einen neuen Schliff – und so ein Zugang zum Keller freigelegt. Der Gang führte zu einer Steintür mit dem Relief eines Schlangendämons, die unser starker Freund mit dem Stahlbolzen aufhebelte. Dahinter befand sich eine Grabkammer mit einem großen schwarzen Sarkophag, der natürlich schon neugierig machte. Auch hier stellte der Bolzen wieder seine Qualitäten als Brechstange unter Beweis und als gleich heulender Nebel entwich ließ sich nichts mehr dagegen machen.

Neben einem menschlichen Skelett fanden wir auch unzählige Schlangengebeine wieder und das goldene Schlangenarmband probierte mein Riesenjäger gleich mal an. Es passte wie angegossen und dass ich gleich zwei FATE-Punkte dafür bekam stimmt mich noch immer etwas nachdenklich. Aber Barbaren jammern nicht über vergossene Milch und so ging es tiefer in die Anlage.

Eine Halle voller Skelette – der Hund hatte am looten die größte Freude – und am Ende ein Thron. Ich entschied mich diesmal dagegen meinen Charakter dort platznehmen zu lassen und bekam zu hören, dass er ohnehin schon besetzt sei. Wenn auch von einem Toten. Diesem seine Smaragdkugel abzunehmen übernahm auch ein anderer Spieler. Man kann ja nicht jede Dummheit selber begehen.

Als unsere jüngste Mitspielerin dann darauf hinwies, dass sie ihren einen Punkt auf Bildung schon viel öfter hätte einsetzen können, als die deutlich höheren kampfrelevanten Werte, durfte sie für nur einen FATE-Punkt einen epischen Kampf gegen untote Skelettkrieger lostreten. Und da bekamen wir erstmals wirklich eine Vorstellung davon, welche Materialschlachten man sich liefern kann, wenn Spieler und Spielleiter gleichsam großzügig mit FATE-Punkten umgehen, wie man Vorteile für andere generiert und warum sich das lohnt.

Unser häufigster Vorteil – und auch der des Gegners – in diesem unterirdischen Gemäuer war ‚alles brennt‘. Außerdem gab es eingeölte Stufen, eine Staubexplosion und nachdem die Skelette doch mal dezimiert waren, wurde das Beben, das unseren Rückweg verschüttet hatte, mittels einiger FATE-Punkte mit einem Wassereinbruch erklärt. Und tatsächlich sickerte es schließlich zu uns durch und löschte nicht nur die zahlreichen Brände sondern löste zugleich unser Trinkwasserproblem. Und zum Glück waren die unterirdischen Hallen groß genug, dass es uns gelang den Rückweg freizuräumen, bevor uns die rauchgeschwängerte Luft ausging. An dieser Stelle endete der Abend für uns und es wurde beschlossen, dass es wohl nicht bei einer einmaligen Runde, um einen ausgefallenen BoL-Termin zu ersetzen, bleiben wird. Und ist es nicht spannend sich auszumalen, wie spätere Abenteuer in die geflutete Grabanlage hinabtauchen, was sie dort vorfinden und was sie sich dabei denken werden? Ach, und unser Handwerker hat tatsächlich daran gedacht auch etwas Bronzewerkzeug aus der Gruft mitzunehmen…

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