Lovecrafter #1

Zum Weekend of Hell Anfang April wurde die 1. reguläre Ausgabe des Vereinsmagazins der Deutschen Lovecraft Gesellschaft veröffentlicht, wenig später lag sie bei mir im Briefkasten. Ich habe mir diesmal ein bisschen mehr Zeit zum Schmökern gelassen, aber inzwischen bin ich durch und ihr bekommt eine Rezension 🙂

 

Umfang und Aufmachung – Was schon beim Auspacken auffällt: Die neue Lovecrafter-Ausgabe liegt deutlich schwerer in der Hand als die „Nullnummer“. Das ist auch kein Wunder, diesmal bekommen die Leser 76 DIN B5-Seiten vorgesetzt. Layout, Textsatz und Bebilderung sind gewohnt hochwertig, man merkt, dass das Heft den Verantwortlichen Tina Wessel und Marc Meiburg nicht nur am Herzen liegt, sondern sie auch wissen, was sie tun. Auch das bloße Durchblättern macht schon Spaß.

Das Cover gefällt mir auch sehr gut, wenn ich das richtig gesehen ist, ein Werk von Chef-Redakteur Axel Weiß, also ein Multitalent der Gute 😉

 

Die Artikel

 

Die Vereinsseite. Wortgeflüster aus dem Vorstand – Auch in #1 sind die zwei Seiten nach dem Vorwort für Vorstand Volker Rattel reserviert. Er fasst kurz die Vereinstätigkeiten seit dem letzten Heft zusammen und zeichnet einen Ausblick auf die Zukunft. Für mich als Mitglied war es schön, noch mal schwarz auf weiß zu sehen, was sich so alles getan hat in letzter Zeit. Das Schiff kommt langsam in Fahrt 😉

Außerdem abgedruckt ist das Rollenspiel-Manifest der dLG, auch hier zu finden. Für reine „Konsumenten“ ist das vermutlich eher weniger spannend, für alle anderen soll dieses Manifest anzeigen, wohin in den nächsten Jahren die Reise gehen soll. Inzwischen hat dieses Skelett auch schon Fleisch auf die Rippen bekommen und zwar in Form des unter Open Gaming License stehenden Systems, das den Arbeitstitel FHTAGN verpasst bekommen hat. Freunde cthuloiden Rollenspiels sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren, auch Mitwirkende sind gern gesehen (Hier kommt ihr zum Forum)!

 

Das Ritual – 90 Jahre Cthulhu (von Volker Rattel) – Weiter geht es mit dem Vereinsleben, genauer gesagt mit der „Geburtstagsfeier“ für Cthulhu, denn am 25.9.2016 wurde „Der Ruf des Cthulhu“ 90 Jahre alt. Zu diesem Anlass richtete ein bunter Mix aus Lovecraft-Begeisterten, unter ihnen natürlich auch eine nicht unerhebliche Menge dLGler einen Abend aus. Unter Anderem zu bestaunen gab es die fertige Encyclopedia Necronomica (vorgestellt in Lovecrafter #0), eine Podiumsdiskussion und allerlei ‚celebrities‘ der deutschen Cthulhu-Szene. Der Nachbesprechung widmet Volker 2 weitere Seiten.

 

Die Traumlande – Für #0 interviewte Clemens Williges Huan Vu über sein Film-Projekt „Die Traumlande“. Auch dieses Interview ist meisterlich geführt, ich hoffe, Clemens bleibt dem Team Lovecrafter noch lange erhalten. Für einen interessierter Verfolger der Crowdfunding-Updates und jemanden, der gerade erst einen Abend selbst mit Huan gequatscht hat, bietet das Interview kaum Neues, für alle Anderen ist es sicherlich interessant.

 

Das Flüstern aus den Sphären (von Christian Heißler) -Auf den nächsten 10 Seiten widmet sich Christian Heißler dem cthuloiden LARP, das Anfang dieses Jahres im dLG-Dunstkreis statt fand. Die Lovecrafter-Redaktion hat die geäußerte Kritik am Artikel zur Gatsby-Con offensichtlich sehr ernst genommen, denn dieser Artikel wurde mir großer Sorgfalt konzipiert, geschrieben und lektoriert, das merkt man.

Er gliedert sich in drei Teile: Einen In-Time-Teil aus Sicht eines Journalisten, der mit den Überresten des Wochenendes konfrontiert wird, einem Bericht über das Event und einem ausführlichen Interview mit den Organisatoren. Ich finde alle drei Teile sehr gelungen und kann mich gar nicht entscheiden, welcher mir am Besten gefällt. Sehr gut gemacht finde ich, wie der Autor auf die unterschiedlichen Zielgruppen der Zeitung eingeht: Der Artikel ist auch für Nicht-Besucher und sogar Leser, die weder mit LARP noch mit Rollenspiel viel am Hut haben interessant und verständlich.

Eventuell auch nostalgisch verklärt (das Flüstern in den Sphären war mein erstes LARP), aber dieser Artikel mein zweites persönliches Highlight.

 

Hinter den Toren Elfenlands. Auf den Spuren des 18. Lord Dunsany in Irland (von Niels-Gerrit Horz) – Mit diesem 5-seitigen Reisebericht beginnt die Beschäftigung mit dem Thema des Heftes. Niels berichtet von seiner Reise nach Irland, seinem Besuch auf Dunsany Castle und den Funden, die er dort gemacht hat. Sehr lesenswert!

 

Meister des Kosmischen (von Nils Gampert) – Dieser 10-seitige Artikel über Leben und Schaffen des 18. Lord Dunsany bildet für mich das gefühlte Herzstück der Zeitung. Kurzweilig und dicht mit Informationen gepackt, ohne zu überladen, führt Nils durch das Leben Dunsanys, immer auch den zeitgeschichtlichen Kontext und Autoren und Künstler im Blick, die ihren Weg mit Dunsany kreuzten. Unter ihnen natürlich auch H.P. Lovecraft. Mir hat der Artikel eine gute Einführung zu diesem mir vorher weitgehend unbekannten Autor gegeben und ist für mich das Highlight dieser Ausgabe.

 

Lord Dunsany. Deutsche Bibliographie (zusammengestellt von Nils Gampert) – Im Wesentlichen eine 2-seitige gegliederte Auflistung der erschienenen Übersetzungen und Umsetzungen von Lord Dunsany im Deutschen. Sicher nützlich, ansonsten kann ich dazu nicht allzu viel sagen 😉

 

Thank Pegana. Der Einfluss Lord Dunsanys auf Lovecrafts Werk (von Mirko Strauch) – In diesem 4-seitigen Artikel beleuchtet Mirko die Beziehung zwischen Lovecraft und Dunsany. Er hält hierbei ein hohes akademisches Niveau, der Artikel bietet einen guten Überblick, ebenso wie eine gute Grundlage für weitere Nachforschungen.

Lediglich das Layout nervt mich etwas. Weiße Schrift auf schwarzem Grund macht zwar was her, aber ich habe einfach zu feuchte Finger für sowas 😉

 

Den Lord gelesen (von Steffen Waschul) – Auf den folgenden zwei Seiten nimmt sich Steffen Warschul, jemand der zu Beginn der Arbeit an der Zeitung wenig bis keine Ahnung von Dunsany hatte, zwei der bekannteren Werke des Autors in deutscher Überstzung vor.

Die Idee finde ich ziemlich gut, sie bietet den „Dunsany-Noobs“ (und von mir auf alle geschlossen dürfte das die Mehrheit der Leser sein ;)) einen leicht verdaulichen Einstieg in das Werk des Lords.  Mit den zwei Seiten ist mir die Rezension allerdings zu kurz. Es handelt sich eher um eine Inhaltszusammenfassung der gelesenen Werke, auf 1-2 Seiten mehr hätten sich weitere Gedanken des Autors sicher gut gemacht, um der Rezension etwas mehr Tiefe zu geben.

 

Ein paar Tage im Februar (von Jan Kock) – Das Rollenspiel-Herzstück dieser Ausgabe, ein Cthulhu NOW Abenteuer auf 20 Seiten (eingeschlossen Handouts, vorgefertigten Charakteren und wenn ich das beim Durchblättern richtig gesehen habe – Regeln für Strahlungsschäden). Ich kann euch derzeitig noch nicht viel zu dem Abenteuer sagen, da ich es gerne erst als Spieler erleben würde, bevor ich es lese. Das Setting (Chernobyl) klingt allerdings spannend und ich hoffe sehr, das Abenteuer bald als Spieler zu testen. Dann hört ihr mehr!

 

Systemvorstellung „Achtung!Cthulhu“ (von Marcus Rosenfeld) – Ende letzten Jahres veröffentlichte der Uhrwerkverlag eine deutsche Übersetzung von „Achtung!Cthulhu“, einem cthuloiden 2. Weltkriegssetting mit Savage Worlds Regeln. Marcus stellt das System auf 2 Seiten vor, bietet einen etwas bissigen, aber sehr informativen Überblick über das vorhandene Material und sollte so den meisten Rollenspielern die Einschätzung ermöglichen, ob sich ein Blick auf A!C lohnt.

 

Spielbare Charaktere für „Inmitten Uralter Bäume“ (von Volker Rattel) – Zum Abschluss gibt es dann noch 4 vorgefertigte Charaktere für das Einsteigerabenteuer „Inmitten Uralter Bäume“ aus dem Spielleiterhandbuch für die 7. Edition Cthulhu.

Neben Spielwerten und einer kurzen Hintergrundgeschichte gibt es noch eine Liste von Merkmalen für jeden Charakter. Diese beinhalten Einstellungen, Ticks, Probleme, … und bieten damit eine gute Hilfestellung zur Darstellung der Charaktere. Das gefällt mir sehr gut. Das Abenteuer selbst kenne ich allerdings noch(?) nicht, insofern kann ich nicht beurteilen, wie gut die Charaktere da rein passen, aber ist auf jeden Fall eine ganz interessante Zusammensetzung.

Ich muss gestehen, derartiges Material ist zwar sehr nützlich, gehört für mich eher auf die Homepage als in eine gedruckte Zeitung. Soweit ich weiß hat die dLG allerdings nur für den Lovecrafter das Recht CoC-Material zu veröffentlichen, insofern mussten die Charaktere wahrscheinlich aus rechtlichen Gründen in das Heft.

 

und sonst so…

 

Preis/Leistung – Klar, der Preis von 9,50€ bleibt, aber für dieses Heft ist er meiner Meinung nach angemessen. Nicht nur wurde die Seitenzahl erhöht, auch inhaltlich wurde einiges aufgefahren, so dass sich 76 Seiten deutlich umfassender als die 55 Seiten der „Nullnummer“ anfühlen. Eventuell ist auch das Layout bei #1 etwas gepackter (also mehr Info auf weniger Seiten), aber dafür bin ich auf dem Gebiet nicht versiert genug.

 

Fazit – Ich bin kein großer Fan von Themenheften, zu oft habe ich das Gefühl, dass um ein paar Artikel auf Biegen und Brechen thematisch passende Artikel gefüttert werden, die dann oft nicht überzeugen. Diese Sorge war in Bezug auf die aktuelle Ausgabe des Lovecrafters unbegründet. Das Heft ist rundum gelungen, bietet einen tollen Überblick über Lord Dunsany und darüber hinaus und war von der ersten bis zur letzten Seite informativ. Ich freue mich schon auf Ausgabe 2 🙂

(Kaufen könnt ihr das Heft übrigens hier, im Cthulhu Webshop)

 

Und auch für dieses Review die gleiche Anmerkung wie für #0: Als „Ansprechpartner Veranstaltungen und Eventplanung“ der Deutschen Loevcraft Gesellschaft kann ich zu diesem Produkt vermutlich kein unvoreingenommenes Review schreiben. Ich habe trotzdem mein Bestes gegeben, das Heft möglichst neutral und informativ zu bewerten.

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