Unknown Armies – „Persona“

Und wieder einmal gab es eine Runde Unknown Armies, diesmal mit Großmeister Tom. Das gespielte Abenteuer war Persona, ein Oneshot für 5 Spieler mit vorgefertigten Charakteren. Spielzeit würde ich je nach Charakterinteraktion mit irgendwas zwischen 2 und 5 Stunden einschätzen.

Ausgangspunkt: Die Gruppe erwacht ohne Erinnerung in einem Hotelzimmer. Wer jetzt denkt „Das passiert ja schon recht oft in diesem System“ hat vollkommen Recht. Aber wie gezeitengegerbte UA-Spieler wissen: Nach dieser Eröffnung kann einen wirklich alles passieren. Das Pferd von hinten aufzäumend starte ich mit einem spoiler-freien Fazit: „Persona“ ist ein klasse Abenteuer und wir hatten einen Riesenspaß, klare Empfehlung! Geeignet ist es meiner Einschätzung nach für begeisterte Charakterspieler und -darsteller und vermutlich auch für unerfahrene Spielleiter. Und ab jetzt – Spoilerwarnung.

*

*

*

*

*

*

*

Was ist denn hier los?

Dramatis Personae

  • Chris Parker – Comedian und Workaholic, später (gegen seinen Willen) „Just“
  • Christel Parker – Dauergestresste Psychologie-Studentin, später „Tel“
  • Christopher Parker – Vietnam-Veteran mit PTSD, später „Topher“
  • Christian Parker – Kommunist und Bauarbeiter aus Überzeugung, später „Tian“
  • Christina Parker – Internet-Bloggerin mit schwerer Angststörung, später „Tina“

Der Clue des Abenteuers ist, dass es sich bei den Charakteren um abgespaltene Persönlichkeitsanteile des Persomanten Chris Parker, handelt. Er fühlte sie in sich zu stark werden und versuchte sie, nach einem Ritual loszuwerden. Leider verbannte er sich im Zuge dessen auch selbst auch seinem Körper und eine generische leere Hülle blieb zurück.

Bis Sonnenuntergang haben die Charaktere Zeit, auf die eine oder andere Art in ihren Körper zurück zu finden, danach verblassen sie. Eingschlossen „Original“-Chris. Sehr viel mehr passiert gar nicht, aber das reicht eigentlich auch schon 😉

Chris* auf Abwegen (ein Spielbericht)

Wie so oft erwachten die Charaktere ohne nahe Erinnerungen, in diesem Fall in einem abgeranzten Hotelzimmer in Las Vegas, Jefferson Airplane’s „White Rabbit“ dudelte in Dauerschleife aus einem alten Kassettenrokorder.

Schon das Erwachen steckten unsere Charaktere recht unterschiedlich gut weg. Während Christian im Kontakt mit einem verstörend klonartigen in der Badewanne liegenden Körper Nerven aus Stahl bewies und Christel versuchte in ihrer Panik um eventuell verpasste Lehrveranstaltungen die Ruhe zu bewahren, analysierte Christopher die Situation und Christina, die seit Jahren ihre Wohnung nicht verlassen hat, bekam ihren ersten Nervenzusammennbruch. Original-Chris beobachtete erstmal nur.

Viel angenehmer wurde es nicht, erst fanden wir heraus, dass sich anscheinend 5 mal „Chris Parker“ im Raum befand, bei dem Versuch, Hilfe zu rufen, realisierten wir, dass wir anscheinend von Menschen nicht wahr genommen wurden. Teile der Gruppe gerieten in Panik, Teile versuchten, mit Zetteln zu kommunizieren, die ohnehin 90% ihrer Freizeit im Internet lebende Christina fand einen Computer und war in ihrem Element. Mit vereinten Kräften wurden Polizei und ein Krankenwagen für den Humanoiden gerufen, Christina verfasste noch schnell einen Blogartikel, in dem sie die „Geistererscheinungen im Ceasar’s Palace“ aufarbeitete und die Urban Legend in die Welt setzte, dass in ihrem Hotelzimmer ein Mann von den Ansprüchen seiner Umwelt zerrissen, Selbstmord beging und jetzt in seinen Einzelteilen durch das Ceasar’s Palace spukte. (Und rief damit sämtliche Bekloppten LAs auf den Plan, was uns zum Glück bis auf einen kurzer Schreck aber nicht weiter behelligte).

Irgendwie drängte sich uns verstärkt der Verdacht auf, dass uns mehr verband als wir erst wahr haben wollten und wir taten uns immer schwerer mit der Idee, einfach getrennter Wege zu gehen und es gut sein zu lassen. Als wir dann auch noch realisierten, dass wir anscheinend alle im gleichen Haus wohnen, war klar, dass mehr im Busch sein musste. Wir machten uns also auf den Weg zu dem kitschigen Haus mit den blauen Vorhängen. Auf der Busfahrt verloren wir Chris, der ein dubioses Angebot von einem dubiosen Typen bekam und in unserer Wohnung mussten wir feststellen, dass außer Chris keiner von uns nachweisbar zu existieren schien. Mit unserem Latein am Ende versuchten wir, uns möglichst wenig in die Haare zu bekommen und lauschten Jefferson Airplane.

Ask Alice, das ist bestimmt ein Zeichen, dachten wir uns und suchten Alice’s Diner gegenüber unserer Wohnung auf. Leider fanden wir dort nicht Alice, sondern nur Peggy, die uns aber anscheinend nicht nur sehen konnte, sondern uns auch alle kannte. Wirklich weiter half uns das nicht, aber immerhin stieß Chris wieder zu uns. Je länger wir auf unserem fettigen Essen herum kauten, desto sicherer wurden wir uns, dass wir einen Riesenfehler begangen hatten, als wir den Humanoid hatten ins Krankenhaus bringen lassen. Da wir aber anscheinend alle auf unseren jeweiligen Feldern echt gut waren, fanden wir den Humanoid, den wir zu dem Zeitpunkt schon als „unseren Körper“ bezeichneten und befanden uns recht bald in seinem Krankenzimmer. Chris und Christian setzten sich ab und berieten sich in Bezug auf den dubiosen Vorschlag des dubiosen Mannes, der Chris in unserer Abwesenheit noch mehrfach aufgesucht hatte. Sie beschlossen, sich auf den Deal vorzubereiten und besorgten das geforderte Blut (3 Dosen, einmal vom Körper aus den Krankenhausproben und einmal jeweils von Christian und Chris)

Währenddessen versuchten Christopher, Christel und Christina recht erfolglos, den Körper aufzuwecken, einen Effekt hatte nur der Versuch von Mund-zu-Mund-Beatmung. Mit großem Entsetzen beobachteten wir, dass Christopher in den Körper gesaugt wurde, das darauf hin sein Aussehen annahm. Das Entsetzen war so groß, dass Chris, der eben den Raum betrat, den Körper mit einem Messer angriff und Christel und er in einen Kampf verwickelt wurden. Nach einigem Ringen befanden sich Christel, Christina und Christopher in dem Körper und stellten fest, dass sie nicht, wie erhofft, zu einer Persönlichkeit verschmolzen, sondern sich jetzt in allem, was sie taten einig sein mussten. Das war zu dritt schon schwer genug und man beschloss, die anderen beiden nicht mehr in den Körper zu lassen. Jetzt körperlich nur noch zu dritt besuchte man ein Treffen des Sammlers, auf dessen Deal sich allerdings nur Chris und Christian einließen.

Als In-Game Fazit: Immerhin 3/5 Chris fanden ihren Weg in ihren Ursprungskörper zurück und blicken trotz weiterhin gespaltenen Persönlichkeiten optimistisch in die Zukunft: Christel und Christopher fanden ihre Gemeinsamkeit in dem Wunsch zur Weltverbesserung und Christina, froh nie wieder unfreiwillig mit der Außenwelt agieren zu müssen, hielt sich dankend im Hintergrund. Wir planen jetzt eine glorreiche Karriere als Avatar des Mystischen Hermaphoditen (perfekte Vorraussetzungen, wir werden niemals auch nur eine Ladung verlieren!) und Chris* fand Eingang in das NSC-Repertoire einer sonst leitenden Mitspielerin.

Die anderen beiden, Kommunist Christian und Original-Chris landeten im Fotoalbum des Sammlers und werden dort vermutlich die nächsten Jahrzehnte verbringen.

Spielleitertipps

  • Spieler – In einer Sache waren wir uns sehr einig: Dieses Abenteuer funktioniert nur wirklich gut mit Spielern, die bereit sind, ihre Charaktere wirklich auszuspielen und auszufüllen. Die Charaktere sind extrem interessant, als Aspekte der gleichen Person haben sie irgendwie schon einen gleichen Nenner, tun sich aber wahnsinnig schwer, diesen zu finden. Das macht das Spiel so interessant.
  • Spieler anspielen – Mit dem ersten Punkt verwandt: Lies dir auf jeden Fall gut alle Charaktere durch, mach dir eventuell Notizen über die Impulse und Phobien und sonstigen Macken. Als Spielleiter kannst du die Charaktere so sehr schön lenken ohne dass es zu sehr nach Railroading aussieht 😉
  • Sonnenuntergang – In unserer Runde hat Christinas Phobie vor Dunkelheit gut geholfen, um die Gruppe zeitlich unter Druck zu setzen. Sollte Christinas Spieler die Phobie eher vernachlässigen oder die anderen Charaktere beschließen, sie einfach zu ignorieren, fällt diese Motivation, die Angelegenheit bis vor Anbruch der Dunkelheit zu klären, weg. Eventuell bietet es sich dann für den Spielleiter an, das Thema noch mal an anderer Stelle aufkommen zu lassen. Selbiges gilt natürlich, sollten die Charaktere beschließen, den Tag einfach abzuwarten und auf ein besseres Morgen zu hoffen. Außer man möchte gerne ein unerwartetes, böses Erwachen 😉

Das war es dann erstmal von mir. Danke noch mal an dieser Stelle an Spielleiter Tom und meine Mitspieler, diese Runde ist mein aktuelles Unknown-Armies-Highlight.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Unknown Armies – „Persona“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s