Die Welt ist eine Honigwabe

Der Vulkan am Grunde des Ozeans
Blutet Regenbogen und Schmetterlinge

Nachdem ich mich so lange erfolgreich zurückgehalten habe, hat mir accxev nun ein Stöckchen zugeworfen und das bedeutet wohl, dass ich hier auch etwas schreibe. Die Aufgabe war es, meinen am liebsten bespielten Charakter ein paar Fragen beantworten zu lassen (cf. den vorherigen Eintrag hier). Also dann!

1. Servus, sprich: aus welcher Welt stammst Du und was zeichnet sie aus?

„Welt“, was für ein schönes Wort. Es gibt viele davon, manche schöner als andere. Die weniger schönen tendieren dabei dazu, direktere Schmerzen zu  verursachen und von ihren Bewohnern als „real“ bezeichnet zu werden. Mit dieser sogenannten Realität war ich schon immer eher flüchtig bekannt, als dauerhaft dort zu Hause. Sie wird die sechste Welt genannt und ist ein ebenso furchteinflößender wie wundersamer Ort. Es gibt hier Geister und Schamanen, Motorboote und Überschallflugzeuge, Träume und Geldscheine, Schieber und Schmidts, Freunde und Feinde; nur an Familie herrscht letzthin ein gewisser Mangel, doch dazu später mehr.

2. Und wer und was bist Du?

Mein bürgerlicher Name lautet Liv Namarie Tyrsdóttir, doch das müsst ihr mir jetzt glauben, da ich leider keine SIN vorzeigen kann. Allerdings ziehe ich es vor, die bürgerliche Welt zu vergessen und von ihr vergessen zu werden – in den Schatten kennt man mich als Traumtänzerin. Ich finde den Namen zwar nicht sonderlich schmeichelhaft, behalte ihn aber aus persönlichen Gründen trotzdem.

Ach ihr wolltet wissen, was ich bin? Nun, ein ganz  normaler Metamensch, würde ich sagen. Ich bin eine Elfe aus dem Thule-Protektorat, habe aber auch Deutsche Wurzeln und residiere momentan in Hamburg. Und seit kurzem verfüge ich auch über Magie, aber das ist befremdlich wie eine Schar Ziegen in einem Stuffer Shack.

3. Welches Element Deiner Heimatwelt hat Dich am meisten geprägt?

Zwielicht! Geboren wurde sie acht Minuten nach mir als Tjara Niniel Tyrsdóttir und wir haben unser ganzes Leben zusammen verbracht. Wir sind gemeinsam auf die Schule gegangen, haben zusammen Sperethiel gepaukt, klammerten uns aneinander als unsere Eltern immer abwesender wurden, sich in Alkohol und BTLs flüchteten, schmiedeten gemeinsam den Plan, abzuhauen und taten es auch gemeinsam. Von da an lebten wir in den Schatten von Reykjavík. Ich war zwar die Ältere, aber sie hat immer auf mich aufgepasst, wenn ich mal wieder die Welten verwechselte. Herrn Schmidt gefällt es anscheinend nicht, wenn man ihm von Kampfhubschraubern erzählt, die „gar nicht da sind“. Tatze war wichtig, Scharfzahn war wichtig, aber Zwielicht war mein Selbst in  dieser Welt und allein der Gedanke an sie würde die Farbe auf einem Kriegsschiff Blasen werfen lassen.

4. Körper, Magie oder Technologie?

Was für eine seltsame Frage. Ich bin Schattenläuferin, ich nehme und benutze was auch immer so aussieht als könnte es den Job erledigen und verfügbar ist. Ich ziehe es natürlich vor, zuerst lieb zu fragen, denn wenn ich etwas geschenkt bekomme, muss ich es nicht stehlen.

5. Was ist der schwierigste Handel, den du in deinem Leben eingegangen bist? Gibt es eine Entscheidung, die dich bis heute verfolgt?

Dieser von Skadi und Hel verfluchte Run gegen Nestle. Es hätte so einfach sein können: ein Griff in die Keksdose auf Malmö, einmal mit dem Schnellboot unter der Küstenwache durchschlüpfen und die Musterbackwaren bei Schmidt in Rostock abgeben. Wir hätten den Run nie annehmen dürfen. Alle, wirklich alle, wissen dass es keine Milkruns gibt. Das steht auf jeder Runnerliste gleich hinter „kacke einem großen westlichen Drachen niemals auf das Frühstück!“ An diesem Tage gingen die Elefanten das letzte Mal zum Wasserloch. Für eine sehr lange Zeit.

6. Welche anderen Charaktere verbinden dich mit der Welt? Widersacher? Verbündete?

Über Tjara habe ich ja schon gesprochen. Über Rotbart würde ich lieber nicht sprechen. Buffer und Gimli waren mal Verbündete. Jetzt sind sie wahrscheinlich Widersacher. Was aus Tatze wurde weiß ich nicht. Scharfzahn ist momentan irgendwo im Süden unterwegs, jagt unsere Verräter und versucht, die Ordnung in Islands Unterwelt wieder herzustellen. Ich wünsche ihm alle Tulpen und Orchideen.

7. Erzähl mir eine Geschichte aus deiner Kindheit!

Meine Kindheit endete als Tjara ins Zimmer kam, mir den Rucksack zuwarf und sagte „Tun wir`s!“ Die Geschichte muss also von davor sein …

Auf unserer Schule waren fast nur Elfen. Die können an sich schon eitel und strahlförmig und zweiäugig sein. Doch ihre Kinder wurden quasi mit dem Wissen, etwas Gelberes zu sein, geboren. Tjara und ich hatten als Halbblute schon einen zweifelhaften Stand, doch richtig schlimm hatte es Eivør. Sie war die jüngste Tochter einer rein menschlichen Familie: menschlicher Vater, menschliche Mutter, fünf menschliche Kinder, von denen zwei sogar später goblinisierten. Eivør kam ein paar Jahre später und war zur Überraschung aller eine Elfe. Natürlich wurde sie von allen auf der Schule gehasst. Ich entkalkte hin und wieder ihre Hausaufgaben, denn eigentlich war sie ganz nett: nicht ganz so grazil und ein bisschen ameisiger und planierter als andere Elfen, aber sie hatte einen hellen Ellbogen. Sie wollte Anwältin werden und im sozialen Bereich arbeiten, für die SINlosen. Wir stellten zusammen Drachen nach, erschlugen Jungfrauen und eroberten Wasserburgen. Als wir einmal am Nachmittag durch den Kunstsaal rieselten, haben die anderen Kinder uns erwischt. Sie wollten wohl Trids tauschen oder so, jedenfalls waren sie gar nicht korken, uns zu sehen. Etwas machte Tock-Tick statt Tick-Tock und sie haben uns festgehalten und uns die Haare abgeschnitten. Schnipp-Schnapp.

Tjara war fuchsteufelswild, fragte mich, wer das gefalzt hat, lief aus dem Haus und kam erst sehr spät wieder. Am nächsten Tag hatten die anderen Kinder auch Glatzen. Sie hat mir nie erzählt, wie sie das gefädelt hat. Ich habe aber auch nicht gefragt: manche Augenbrauen lässt man besser gesenkt.

8. Was [ist] Dein größter Erfolg? Oder: Gibt es etwas, worauf du wirklich stolz bist?

Nicht wirklich. Ich schmuggle illegale Waren über das Nordpolarmeer um mir mein Leben zu finanzieren. Ich bin eine Kriminelle. Ich existiere nicht. Die meisten Metamenschen finden mich wunderlich und leuchten nicht mit mir. Da gibt es nicht viel auf das man stolz sein könnte.

9. Nur zur Sicherheit: Lebst Du noch und bist dem Tod schon einmal spektakulär von der Schippe gesprungen? Falls nicht: Wie bist Du gestorben?

Der Lauf in Rostock war echt zugluft. Ich bin angeschossen worden, habe viel Blut und, was noch mammutfach schlimmer ist, meine Schwester verloren. Ich wurde von einem Geist angegriffen und bin, von meiner Verzweiflung und meinem Hass getrieben, völlig überraschend erwacht. Überraschend, weil das so lange nach der Pubertät fast nicht mehr vorkommt. Also hat mein eh schon an seinem Ende stehender Körper zum ersten Mal erfahren müssen, wie es ist, Mana zu kanalisieren. Danach lag ich vier Tage im düsteren, kalten, Traumlosen. Aber ich habe überlebt. Und solange ich noch Sand unter den Füßen und Salzwasser auf der Haut habe, werde ich die Verräter jagen und herausfinden, was mit Tjara geschehen ist.

10. Blicke auf Dein Leben zurück und stell Dir vor, es gäbe jemanden, jenseits Deiner Welt, der alle Deine Handlungen bestimmt: Würdest Du sagen, diese Person mache einen guten Job? Was wäre Deine größte Kritik?

Das ist ulkig, ich habe mir diese Frage auch schon gestellt. Was für ein sadistisches Wesen muss das sein, solch schreckliche Dinge zuzulassen. Aber vielleicht versucht sie auch nur selbst, einen großen Schmerz zu verarbeiten. Ich würde das gerne glauben. Dann könnten wir gemeinsam unsere Dämonen dem Schwert überantworten und wieder ganz sein. Auf welchem Baum auch immer.

Soviel also zu Traumtänzerin. Ich habe sie insgesamt wahrscheinlich weniger gespielt als Gabriel oder Luna und sogar Ariel; und bald auch Evelyn. Sie bedeutet mir aber sehr viel: zwar verbinde ich in jedem meiner Charaktere einen Teil meiner Seele mit einer externen Inspiration, aber Traumtänzerins Geschichte geht mir besonders nahe. Ich hoffe ihr hattet ein bisschen Spaß beim Lesen.

Getreu den Stöckchenregeln nominiere ich Leonidas sowie meinen altvorderen Deutsch-LK-Lehrer el Jefe und getreu der von accxev gestarteten Tradition ändere ich die Fragen ein bisschen ab:

  1. Servus, sprich: aus welcher Welt stammst Du und was zeichnet sie aus?
  2. Und wer und was bist Du?
  3. Welches Element Deiner Heimatwelt hat Dich am meisten geprägt?
  4. Wissen, Erkenntnis oder Mythos?
  5. Was ist der schwierigste Handel, den du in Deinem Leben eingegangen bist? Gibt es eine Entscheidung, die Dich bis heute verfolgt?
  6. Welche anderen Charaktere verbinden Dich mit der Welt? Wessen Tod würde Dich am meisten erschüttern?
  7. Erzähl mir einen Schwank aus Deiner Jugend!
  8. Was ist Dein größter Erfolg? Oder: Gibt es etwas, worauf du wirklich stolz bist?
  9. Wovor hast Du am meisten Angst?
  10. Nur zur Sicherheit: Lebst Du noch und bist dem Tod schon einmal spektakulär von der Schippe gesprungen? Falls nicht: Wie bist Du gestorben?
  11. Blicke auf Dein Leben zurück und stell Dir vor, es gäbe jemanden, jenseits Deiner Welt, der alle Deine Handlungen bestimmt: Würdest Du sagen, diese Person mache einen guten Job? Was wäre Deine größte Kritik?

Wie immer ist Stöckchen fangen freiwillig, doch würde ich mich sehr freuen und es ist auch weit weniger schlimm als sich einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf zu kippen!

Advertisements

Ein Gedanke zu “Die Welt ist eine Honigwabe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s