Rezension: „Hammer of the North – Die Söhne des Wanderers“ von Harry Harrison und John Holm

Ich hatte mir vorgenommen, mehr über Rollenspiel und weniger über Bücher zu schreiben. Ganz klappen tut das gerade noch nicht, aber ich arbeite dran. Bis dahin eine weitere Mantikore-Rezension und zwar über den Wikinger-Epos „Hammer of the North“ von Harry Harrison und John Holm.

Worum geht es? – In Rezension: “Soylent Green” von Harry Harrison hatte ich ja schon ein Buch von Harry Harrison vorgestellt. „Hammer of the North“ geht allerdings in eine völlig andere Richtung. Es handelt sich um einen historischen Roman mit dezentem Fantasy-Einschlag. Hauptfigur ist Shef, Resultat eines Wikinger-Überfalls auf sein englisches Heimatdorf und dem enstprechend (besonders von seinem Stiefvater und Halbbruder) heißgeliebt. (Ja, das ist Ironie)

Um dem konstanten Hass seiner Verwandten und seiner drohenden Versklavung zu entgehen und seine Halbschwester zu retten schleicht er sich in ein Lager einfallender Wikinger und findet sich bald in deren Reihen wieder. Unterstützt wird er von Vertretern des kritisch beäugten Wegs, der organisierten Religion der Wikinger, gegründet um dem Einzug des Christentums und Ragnarök Einhalt zu gebieten. Man ist wohl kollektiv der Meinung, Shef würde eine Schlüsselrolle im kommenden Kampf um die Welt spielen. Bis dahin gilt es aber erstmal in der harschen Welt der Wikinger mitten in der Eroberung Englands zu überleben.

Wie gefällt es? – Die Geschichte startet etwas schleppend. Langatmige Beschreibungen von blähenden Segeln sind für mich nur spannend, wenn der Autor wirklich ein Wortzauberer ist und Harrison und Holm sind das nicht.

Dieser etwas sperrige Einstieg ist aber schnell überwunden (irgendwo zwischen Seite 80 und 100) und die Geschichte nimmt an Fahrt auf. Mysterien werden geklärt, neue aufgeworfen und natürlich gilt es einen Krieg zu kämpfen, England nimmt sich nicht von alleine ein. Die Wikinger werden als diverser Haufen mit etlichen Streitereien und einem erstaunlich fortschrittlichen Rechtssystem gezeigt. Etwas, was sich mit meinem Wissen über diese Zeit deckt. Die Charaktere sind rauh und eckig, aber interessant. Ich möchte wahrscheinlich keinem von ihnen über den Weg laufen, aber es macht Spaß, ihnen zuzuschauen.

Eine Ausnahme bildet Hauptfigur Shef. Es ist spannend. Shef ist kein Antiheld, er ist nicht besonders interessant. Er ist ein starker, sturer Junge, der sich einfach weigert zu verlieren und damit durchkommt. Irgendwie scheinen irgendwelche Götter an ihm ihr Interesse zu haben und irgendwas ist da wohl mit Ragnarök. Sonst bleibt Shef einer der farblosesten Charaktere im ganzen Buch. Meistens führt das bei mir dazu, dass mein Interesse leidet. Im Fall von „Hammer of the North“ machte es allerdings einfach leichter, die Geschichte mit Shefs Augen zu sehen.

Auch setzt diese Wikingersaga da ein, wo die meisten aktuelleren Sagas aufhören: Mit dem Tod von Ragnarr Loðbrók. Für mich eine angenehme Abwechselung. Und als jemand, der die historischen Quellen nicht eingehend studiert, aber zumindest interessiert gelesen hat, gefallen mir die in „Hammer of the North“ verwendeten Interpretationen der Überlieferungen sehr.

Übersetzung, Lektorat, … – Wenn ich es richtig sehe, sind auch diese Bücher schon in den 90ern in englischer Sprache veröffentlicht worden und 2001 als Übersetzung, auch hier handelt es sich wohl über eine Neuübersetzung des Mantikore-Verlags. Die gewohnte Qualität wird gehalten (ein paar kleine Schnitzer, nichts, was den Lesefluss stören würde), das Titelbild ist stimmig.

Auch fällt mir besonders bei diesem langen Buch auf, wie sehr ich die gewählte Schriftart des Mantikore-Verlags schätze. Zumindest für meine Augen ist sie sehr angenehm zu lesen, ich habe nicht genau auf die Uhr geschaut, aber die Leseermüdung setzt merkbar später ein als ich es gewöhnt bin.

Wie geht es weiter? – Wikipedia behauptet, „Hammer of the North“ wäre eine Triologie und als solche komplett in dem vorliegenden Buch veröffentlicht worden. Der Mantikore-Verlag kündigt allerdings für Dezember 2016 einen weiteren Teil an, „Der Weg des Königs“, und für Juli 2017 den dritten Teil, „Herrscher und Eroberer“. Ich nehme an, Wikipedia hat da einfach was in den falschen Hals bekommen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es mit Shef und seinen Getreuen weiter geht!

Fazit – Eine kurzweilige Fortführung / Interpretation der Sagas über Ragnar. Allen, die Spaß an Wikingern und nordischer Mythologie haben, empfehle ich das Buch ziemlich uneingeschränkt. Für alle Anderen ist es die perfekte Lektüre für gewittersturm-trächtige Wochenenden und etwas unbequeme, aber spannende Realitätsflucht.

 

Ein Exemplar dieses Buches wurde mir vom Mantikore-Verlag zu Rezensionszwecken zugesandt.

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