Rezension: „In den Fängen der Seehexe“ von Jens Schumacher

Und eine weitere Rezension eines Mantikore-Buchs. Der nächste Artikel geht wieder über Rollenspiel, versprochen. Diesmal „In den Fängen der Seehexe“ von Jens Schumacher aus der Reihe Die Welt der 1000 Gefahren. Hierbei handelt es sich um das erste Buch der recht erfolgreichen Reihe, das im Mantikore-Verlag erschienen ist.

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Das Spielsystem – Das Spielsystem mutet erstmal recht klassich an: Es gibt spezielle Fähigkeiten, ein Inventar und Zufallsereignisse ausgelöst durch das Ziehen (bzw in dem Fall eher Antippen) von Runen.

Die Variante mit den Runen gefällt mir persönlich sehr gut. Im Gegensatz zu Zahlen von 1-10, bzw 0-9 merkt man sich die verschiedenen Runen nicht so leicht aus Versehen und betrügt sich beim Spielen nicht so leicht aus Versehen selbst. Das ist zumindest für mich der Grund Joe Dever’s „Einsamer Wolf“ inzwischen nur noch mit Würfel zu spielen 😉

Auf Kampfstärke und Lebenspunkte wird verzichtet, die Kämpfe werden rundenbasiert mit den Ergebnissen „Sieg“, „Niederlage“ und „Patt“ (heißt, es geht in die nächste Runde) ausgetragen und verlaufen für alle Charaktere gleich. Durch die Tabellenschreibweise sieht man vorher nicht, wie schwer ein Kampf ist. Mich hat das gestört, allerdings hat man normalerweise ohnehin keine Chance einem Kampf auszuweichen, also ist es eigentlich egal 😉

Die Geschichte und ihre Wirkung – Die Geschichte selbst ist etwas bider. Schurke des Monats entführt Prinzessin, Held verbringt das Abenteuer damit, Prinzessin zu befreien. Zwischen ihm stehen diverse Monster und Rätsel. Einzige Neuerung ist, dass das Ganze unter Wasser statt findet. Ich muss aber zugeben, ganz gezogen hat das bei mir nicht, die extreme Umgebung und die damit verbundenen Gefahren kamen bei mir einfach nicht an. Da gibt es Abenteuerspielbücher, die das besser hinbekommen, als Beispiel sei mal Joe Devers „Die Grotten von Kulde“/“Gefahr in den Höhlen“, das in einer Eiswüste spielt.

Ich denke, man hätte viel mehr mit Zeitdruck und Atemnot arbeiten können und eigentlich auch sollen, um die Geschichte spannender zu gestalten.

Spiel und Schwierigkeit – Die Zusammenfassung gleich zu Beginn: Dieses Abenteuerspielbuch ist bockschwer. Der Klappentext rühmt sich damit, dass nur ein Weg zum Ziel führt und ja, das stimmt auch. Kluge und bedachte Entscheidungen zu treffen oder Hinweisen nachzugehen führt unausweichlich zum Tod. Ich spiele viel und gerne Rollenspielbücher, aber das war mir dann doch irgendwie zu viel. Die Tatsache, dass ich das Buch quasi traversieren musste, um überhaupt zu einem Ende zu finden und nach mehreren Stunden Beschäftigung immer noch nicht den vollständigen Lösungsweg gefunden habe, frustet mich schon etwas. Ich lese Abenteuerspielbücher als Snack zwischendurch, nicht um mich einen Tag damit zu beschäftigen.

Auch habe ich in erster Linie Freude an Abenteuerspielbüchern, weil sie einem Erlauben die Welt durch die Augen eines Helden zu sehen, für den man selbst entscheidet, wie er sie sehen will. Handelt er eher bedacht? Haut alles kurz und klein? Befragt er Menschen und findet so viel über die Welt heraus? Verläuft das Abenteuer glatt? Oder trifft er schlechte Entscheidungen und bringt sich damit in Schwierigkeiten.

Ja, das ist der Idealfall und viele Abenteuerspielbücher erreichen das nicht. Aber es gibt sie dennoch und deswegen muss „In den Fängen der Meerhexe“ sich mit diesen messen lassen – und schneidet schlecht ab. Dadurch dass das Abenteuer nur auf einem Weg zu lösen ist, hat man gar nicht die Chance, die Geschichte wirklich zu beeinflussen. Es sollte also nicht „Choose your own adventure“, sondern „Choose Jens‘ adventure while dying all the time“ heißen. Gut, das klingt jetzt etwas hart, aber zumindest das, was ich an Abenteuerspielbüchern mag, wurde hier nicht erreicht.

Cover, Lektorat, … – Habe ich absolut gar nichts zu meckern. Alles Bestens und stimmig.

Kindgerecht? – Eigentlich ist die Welt der 1000 Abenteuer eine Kinder- und Jugendbuchreihe. Deswegen ist die Geschichte sex-frei und auch sonst eher zahm. Allerdings ist die Chance recht hoch, dass man an irgendeinem Punkt des Abenteuers von der Seehexe zu Tode gefoltert wird. Das war mir dann für ein Kinder- und Jugendbuch etwas zu grafisch beschrieben…

Fazit – Ich habe das Buch durchaus genossen. Trotz der Zugehörigkeit zum Fantasy-Genre und der Tatsache, dass ich nicht Teil der Zielgruppe bin. Ein netter Snack für Zwischendurch, zumindest wenn man sich „Schummeln“ zugesteht.

Für alle, die einfach die Geschichte spielen wollen, habe ich ein paar Spieltipps gesammelt, sobald ich meinen Notizzettel wieder finde, lade ich sie hoch.

 

Ein Rezensionsexemplar wurde mir vom Mantikore-Verlag zugesandt. Danke dafür!

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