Rezension: „Once Upon a Crime“ (FATE Core)

An sich gibt es noch genug angetestete Systeme und Rollenspielabende über die ich schreiben könnte, nachdem hier gerade das FATE-Fieber ausgebrochen ist, hier eine Rezension und zwar zu „Once upon a Crime“ von Wooden Vampire Games, zu finden hier.

Das Setting ist großartig. Im stil des Computerspiels The Wolf Among Us, bzw. der zu Grunde liegenden Comicbuchreihe Fables werden in Once Upon a Crime klassische Märchenfiguren in die Welt der Noir-Filme geworfen. Eine große Dunkelheit kam über das Märchenland Arcadia, nur wenige retteten sich in unsere Welt. Diese traumatische Erfahrung und ihre Manifestation in der „echten Welt“ haben sie verändern.

In dem PDF finden sich Hintergründe der Arcadianer, also Märchenfiguren, ein Kapitel darüber, wie Märchenmagie in unserer Welt funktioniert, Informationen zur Charaktererschaffung, ein paar Seiten Spielleiterinformationen und ein „spielfertiges“ (s.u.) Einstiegsabenteuer.

Editing, Layout, … Normalerweise würde ich Layout, Editing, Schreibstil, … in unterschiedliche Punkte unter Teilen, nachdem ich für „Once upon a Crime“ für jeden Unterpunkt zum gleichen Ergebnis komme, fasse ich zusammen.

Erstmal vorneweg: Ja, ich weiß, es ist eine Hobby-Produktion. Ich weiß, dass das PDF auf DriveThruRPG ‚Pay what you want‘ ist und dass Layout, Artwork, usw. eigentlich nicht so wichtig sind. Deswegen werde ich mich auch nicht über Artwork oder unprofessionelle Setzung oder Layout aufregen. Aber zu dem Zustand dieses Dokuments fällt mir nur ein Wort ein: Zumutung. Der eine oder andere Fehler ist ok, aber wenn in einem 43-seitigen Dokument eine deutlich zweistellige Anzahl an Rechtschreibfehlern auftaucht und davon ein gutes Drittel durch das Verwenden eines Rechtschreibprüfers zu vermeiden gewesen wären, fühle ich mich verarscht. Auch sowas wie „(see Page XX)“ will ich nicht lesen, es hätte doch drin sein müssen, das „XX“ zu ersetzen. Für eine Aufzählung der Fehler bräuchte ich vermutlich mehrere DIN A4-Seiten, deswegen fasse ich es zusammen: Fahrlässig. Es steht eine Editorin im Impressum, aber ich frage mich wirklich ernsthaft, ob die Texte überhaupt nach dem ersten Heruntertippen noch mal gelesen wurden.

Ich habe schon Abenteuerskizzen gesehen, die waren sorgfältiger und besser ausgearbeitet als das. Liebe Schreiber, was soll das?? Ihr habt eine gute Idee, steckt Zeit und Herzblut ins Schreiben und dann ist es zu viel verlangt, das Ganze noch EINMAL zu lesen, um die allerschlimmsten Fehler auszubessern? Das kann doch wohl nicht ernst gemeint sein?

Aber gut, lassen wir Fehler Fehler sein, verzichten wir auf irgendeine Form von Layout (selbst mit LibreOffice hätte man in circa 15 Minuten ein besseres Layout hinbekommen) und konzentrieren wir uns nur auf den Inhalt. Und auch da hapert es leider gewaltig. Ein roter Faden geht weitgehend ab, Informationen sind wild in den ersten drei Kapiteln, eingeschlossen dem Einstiegsabenteuer verteilt. Es wird geschwafelt und gelabert, ganz zum Kopfschmerzen bekommen hat es bei mir noch nicht gereicht, aber in den Fingern juckte es mir schon. Selbst ein moderat engagierter Lektor hätte diesem Aufschrieb wahnsinnig gut getan. Auch sich zu überlegen, was in welche Kapitel passt und welche Informationen zusammen gehören, hätte wirklich geholfen. Eben so ein engagierter Rotstift, der das etwas übermäßige Geschwalle rausstreicht. Ich denke, dass man, ohne Informationen zu verlieren, von den 43 Seiten 13 streichen oder durch prägnantere Formulierungen einsparen könnte. Wer mich kennt weiß, dass ich recht angefressen auf unnötig lange Texte reagiere (wir haben alle nur begrenzt Zeit und meine verliere ich ungerne wegen sowas…), deswegen reagiere ich da vielleicht auch unangemessen stark, aber auch wenn einem Redundanzen und Gelaber egal sind: Es liest sich holprig, ist teilweise unklar und schwer nachvollziehbar und insgesamt ein ein sehr schlecht geschriebener Text.

Zusammenfassend: „Once upon a Crime“ wirkt einfach von vorne bis hinten und vom Layout bis zum Inhalt wie ein hingerotzter erster Entwurf. Das ist sehr schade, denn die Ideen sind gut. Wäre ich nicht so überzeugt von dem Setting, hätte ich das Dokument mehrfach einfach kommentarlos in die Ecke geworfen und nie wieder angefasst. Man möchte meinen, die Autoren würden wollen, dass man ihre Werke liest.

Who Shot Mr Woolfe? heißt das Einstiegsabenteuer für Once Upon a Crime.

Aus den oben genannten Gründen machte das Lesen und Durcharbeiten des Abenteuers nicht wirklich Freude. Es ist alles viel zu durcheinander, es gibt nicht mal eine Liste mit NSCs, geschweige denn irgendeine Form von ausgearbeitetem Charakter. Ja, der Autor weist darauf hin, dass nicht gewürfelt werden muss, und man als Spielleiter improvisieren möge, aber gerade für ein FATE-Setting würde ich mir zumindest Aspekte für die NSCs wünschen.  Auch möge man bitte nach so einer Einführung dann auf Aussagen wie „The GM should roll that out (…)“ vollkommen verzichten. Auch sonst gibt es ausschließlich Fließtext und zwar in mehr oder weniger willkürlich aneinander gereihten Unterkapiteln. Potenzielle Spielleiter stellen sich also bitte darauf ein, das Abenteuer (mindestens) zweimal lesen zu müssen.

Die Geschichte selbst ist nett, nicht übermäßig kompliziert, aber als Einstieg durchaus geeignet, denke ich. Schade finde ich, dass mit ‚Mr Wolfe‘ als Mordopfer einer der am stärksten aufgeladenen Märchenfiguren gleich im Einstieg das Zeitliche segnet. Zum Vergleich: In Fables spielt der Böse Wolf sogar die Hauptrolle.

Fazit: Ich hätte „Once upon a Crime“ wirklich gerne empfohlen. Das Setting hat wahnsinnig viel Potenzial und es sind einige gute Ideen hinein geflossen. Mindestens das Startabenteuer werde ich auch für meine Gruppe leiten. Aber die lieblose Aufmachung und das komplett fehlende Lektorat eines ohnehin schon unterdurchschnittlichen Textes vermiesen mir ziemlich die Freude an dem Ganzen. Ich hoffe sehr, dass sich die Autoren ihren Erguss noch mal vornehmen und ihm die verdiente Liebe und Sorgfalt angedeihen lassen. Bis dahin würde ich das PDF nur anfassen, wenn ihr ähnlich auf die Idee eines Fairytale Noir-Settings abfahrt wie ich.

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Ein Gedanke zu “Rezension: „Once Upon a Crime“ (FATE Core)

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